DGUV-Empfehlung

G35-Untersuchung: Arbeitsaufenthalt im Ausland und in den Tropen

Reisemedizinische Beratung, Impfungen (Gelbfieber, Tollwut, Hepatitis, FSME), Malaria-Chemoprophylaxe, BK 3104 (Tropenkrankheiten/Fleckfieber), Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Auslandsentsendung. Stand April 2026.

Autor: Dr. med. Fabian Wengler · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst · Geprüft von Johannes F. AngererVeröffentlicht: 18. Juni 2026 · Aktualisiert: 29. September 2026 · Lesezeit: 13 Minuten

Auf einen Blick

Wer von einem deutschen Unternehmen ins Ausland entsandt wird, etwa zur Montage in Wüstenregionen, bei NGO-Einsätzen, zu Aufsichtsfunktionen in Asien oder zur Forschung in tropischen Endemiegebieten, braucht nicht bei jeder Entsendung eine arbeitsmedizinische Vorsorge. Pflichtvorsorge besteht nach der ArbMedVV (Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2) bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen. Inhalt und Ablauf der Vorsorge beschreibt die DGUV-Empfehlung. Schwerpunkte: reisemedizinische Beratung, Schutzimpfungen (Gelbfieber, Tollwut, Hep A/B, Typhus, Cholera, FSME, Meningokokken, Influenza), Malaria-Chemoprophylaxe, Notfallplanung, klimatisch-physische Belastung. Berufskrankheit: BK 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber).

Gelbfieberimpfung
Gelbfieberimpfung als Standard der reisemedizinischen Vorsorge.
NGO-Mitarbeiter im Sahel
NGO-Feldeinsatz im Sahel mit Vektorenschutz und Chemoprophylaxe.

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1. Was umfasst die Auslandsentsende-Vorsorge?

Die Vorsorge bei Arbeitsaufenthalt im Ausland ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für Beschäftigte, die in besonderem Auftrag im Ausland tätig werden — typisch Anlagenbau, NGO-Einsätze, internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte, Vor-Ort-Service. Schutzziele: Prävention von Tropen- und Reisekrankheiten, Aufrechterhaltung des Impfschutzes, Beratung zu Klima/Hygiene/Sicherheit.

2. Rechtsgrundlage

  • ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 3 (Tätigkeiten im Ausland)
  • BioStoffV, IfSG, STIKO-Empfehlungen
  • WHO IHR (Internationale Gesundheitsvorschriften)
  • Robert-Koch-Institut-Empfehlungen für Reisende
  • BKV — BK 3104 (Tropenkrankheiten und Fleckfieber)

3. Vorsorgeanlässe

Pflichtvorsorge: Bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2). Amts- und RKI-Empfehlungen sind ergänzende Hilfsmittel, ersetzen aber nicht die Gefährdungsbeurteilung.

Angebotsvorsorge: Am Ende einer Tätigkeit in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen ist dem Beschäftigten eine Rückkehreruntersuchung anzubieten (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 2 Nr. 3).

4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

4.1 Top-Branchen

  • Internationaler Anlagenbau / Off-shore (Saudi-Arabien, VAE, Nordafrika, Südamerika)
  • NGO und Entwicklungszusammenarbeit (Sahel, Subsahara, Südostasien)
  • Internationale Forschung und Lehre
  • Globale Service-Techniker und Vor-Ort-Schulung
  • Diplomatie und Auswärtiges Amt-nahe Funktionen

4.2 Krankheitsbild

Akut: Reisediarrhoe, Hepatitis A/E, Dengue, Malaria, Typhus, Tollwut, Meningokokken-Meningitis, akute Höhenkrankheit (in Anden, Himalaja, Pamir). Chronisch: Tropentaugliche Krankheiten je nach Region (Filariose, Leishmaniose, Schistosomiasis), psychische Belastung (Heimweh, Kulturkonflikt, Sicherheitsstress).

4.3 Berufskrankheiten

BK-Nr. 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Infektionskrankheiten, wenn die versicherte Person im Gesundheits­dienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“
BK-Nr. 3102 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten“
BK-Nr. 3104 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Tropenkrankheiten, Fleckfieber“ (siehe auch: Merkblatt zur BKV-Nr. 3104 der Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV): „Tropenkrankheiten, Fleckfieber“)
BK-Nr. 5103 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung

5. Untersuchungsumfang

Beratung zu Reisemedizin (Klima, Hygiene, Trinkwasser, Lebensmittel, Sicherheit). Anamnese: vorbestehende chronische Erkrankungen, Allergien, Schwangerschaft, Medikamente. Untersuchung: Allgemein, Blutdruck, ggf. EKG, Labor (Blutbild, GOT/GPT, Kreatinin). Schutzimpfungen: Prüfung der Standard-Impfungen (Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, MMR), Erweiterung um reisespezifische Impfungen (Gelbfieber, Tollwut, Hepatitis A/B, Typhus, Cholera, Meningokokken ACWY, FSME, Japanenzephalitis). Malaria-Beratung: Stand-by-Therapie oder Chemoprophylaxe je nach Region. Erstellung individueller Reise-Apotheke. Notfallkontakt-Liste.

5.1 Reiseapotheke / Erste-Hilfe-Set

Eine individuelle Reise-Apotheke ist Bestandteil der betriebsärztlichen Beratung. Der Inhalt richtet sich nach Reiseziel, Aufenthaltsdauer und persönlichem Gesundheitszustand. Ein Basisset umfasst typischerweise:

  • Verbandsmaterial: Sterile Mullbinden, Wundpflaster, elastische Binden, Fieberthermometer, Schere, Pinzette, OP-Handschuhe.
  • Zur äußerlichen Anwendung: Wunddesinfektionsmittel, Kortikosteroid-Creme, Antihistamin-Salbe (Insektenstiche), Insektenschutzmittel (DEET oder Icaridin), Sonnenschutzmittel.
  • Medikamente: Fiebermittel (Paracetamol), Schmerzmittel (Ibuprofen), Mittel gegen Reisedurchfall (Loperamid), Mittel gegen Übelkeit (Dimenhydrinat), Mittel gegen Magenkrämpfe (Butylscopolamin).
  • Standby-Antibiose (nur auf ärztliche Verordnung): Ciprofloxacin bei fieberlosen Durchfallerkrankungen; Doxycyclin bei fieberhaften Erkrankungen ohne Durchfall. Dauer und Dosierung individuell nach ärztlicher Anweisung.

Wichtig: Verschreibungspflichtige Medikamente (inkl. Standby-Antibiose und ggf. Malaria-Chemoprophylaxe) müssen vom Betriebsarzt oder behandelnden Arzt individuell verordnet werden. Geben Sie immer Informationen zu bekannten Allergien an. Dauerhaft eingenommene Medikamente sowie eine Ersatzbrille nicht vergessen.

Fristen der Vorsorge
Erste Vorsorge
innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Zweite Vorsorge
spätestens 24 Monate nach Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 2 Buchst. b)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)
Rückkehruntersuchung
frühestens sechs Wochen, spätestens drei Monate nach der Rückkehr
Die Fristen sind Höchstfristen. Der Arzt oder die Ärztin kann kürzere Fristen festlegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht notwendig ist (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 4).

Rückkehruntersuchung: frühestens 6 Wochen, spätestens 3 Monate nach Rückkehr.

6. Beurteilung

Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV ohne Eignungsbeurteilung. Eine Eignungsuntersuchung ist davon getrennt und nur auf gesonderter Rechtsgrundlage möglich. Vorsorgebescheinigung nach AMR 6.3 plus Internationaler Impfausweis.

7. Praxistipps für Unternehmen

  1. Reise-Risikobewertung. Land, Region, Saison, Aufenthaltsdauer, Aufgabenfeld — individuelles Risiko ableiten.
  2. Impfprogramm frühzeitig planen. Mindestens 6–8 Wochen vor Abreise; Gelbfieber 10 Tage vor Endemiegebiets-Aufenthalt.
  3. Malaria-Strategie definieren. Repellents (DEET, Icaridin), Moskitonetz, lange Kleidung; Chemoprophylaxe je nach Region (Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin, Mefloquin).
  4. Notfallplan. 24/7-Erreichbarkeit, internationale Krankenversicherung mit Rücktransport (z.B. ADAC Plus, Allianz, AXA).
  5. Reisemedizinische Krise managen. Auswärtiges Amt-Reisehinweise täglich prüfen; Unternehmen muss Mitarbeiter im Krisenfall holen können.
  6. Mutterschutz. Schwangerschafts-Reisetauglichkeit individuell prüfen. Schwangere sollten grundsätzlich nicht in Malariaendemiegebiete entsendet werden. Darüber hinaus sind Tätigkeiten mit fruchtschädigenden Stoffen (CMR-Stoffe) zu vermeiden.
  7. Nachreise-Vorsorge. Bei Fieber oder anderen Beschwerden nach Rückkehr aus einem Endemiegebiet zeitnah ärztlich abklären lassen und auf den Auslandsaufenthalt hinweisen, bei Bedarf tropenmedizinisch.
    Besonderheit: Die Auslandsvorsorge darf auch von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Tropenmedizin durchgeführt werden (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 i.V.m. § 3 Abs. 2 Satz 1 und § 7 ArbMedVV)

FAQ

Wann ist Pflichtvorsorge zwingend?

Bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen — ArbMedVV Anhang Teil 4.

Wie weit im Voraus sollte ich die Vorsorge planen?

Mindestens 6–8 Wochen vor Abreise. Gelbfieber-Impfung muss 10 Tage vor Aufenthalt in Endemiegebiet erfolgen, da sonst Einreise verweigert werden kann.

Welche Impfungen sind Pflicht und welche empfohlen?

Standard-Impfungen sollten aktuell sein (Tetanus, Diphtherie, MMR, Polio). Je nach Reiseziel empfohlen: Tollwut, Hep A/B, Typhus, Meningokokken ACWY, FSME, Cholera. Die Gelbfieberimpfung ist für die Einreise in manche Länder vorgeschrieben. Aktuelle RKI- und CDC-Empfehlungen prüfen.

Welche Berufskrankheiten sind relevant?

BK 3101 (Infektionskrankheiten, wenn die versicherte Person im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war), BK 3102 (von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten), BK 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber) und BK 5103 (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung). Voraussetzung für die Anerkennung sind ein dokumentierter beruflicher Aufenthalt und eine gesicherte Diagnose.

Was tun bei Erkrankung im Ausland?

Sofortige Kontaktaufnahme mit der Versicherung; Aufsuchen einer qualifizierten Klinik (Botschaft hilft); Dokumentation aller Befunde für Tropenmediziner zur Rückkehr.

Quellen

  • DGUV Empfehlung „Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen oder gesundheitlichen Belastungen“, Fassung Januar 2022
  • ArbMedVV Anhang Teil 4; BioStoffV; IfSG
  • STIKO-Empfehlungen2025/2026 (RKI) (Stand:laufend aktualisiert, vor Entsendung aktuell prüfen)
  • WHO Internationale Gesundheitsvorschriften (IHR)
  • BKV — BK 3101, 3102, 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber), 5103
  • Auswärtiges Amt Reise- und Sicherheitshinweise (Stand: laufend aktualisiert, vor Entsendung aktuell prüfen)

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Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.

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G35-Untersuchung auf einen Blick

Die G35-Untersuchung ist die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV für Beschäftigte, die in Tropen, Subtropen oder anderen Regionen mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen arbeiten. Seit 2022 heißt sie offiziell DGUV-Empfehlung ‚Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen oder gesundheitlichen Belastungen‘. Im Mittelpunkt stehen Beratung, Impfschutz und Malariaschutz vor der Ausreise.

ArtPflichtvorsorge nach ArbMedVV, keine Eignungsuntersuchung
RechtsgrundlageArbMedVV Anhang Teil 4, DGUV-Empfehlung
Für wenTätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstige Auslandsaufenthalte mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen
Fristerste Vorsorge bis 3 Monate vor Ausreise, zweite nach spätestens 24, dann alle 36 Monate; Rückkehrer-Angebot 6 Wochen bis 3 Monate nach Rückkehr
Kostenträgt der Arbeitgeber (§ 3 Abs. 3 ArbSchG)
Wer darf untersuchenArbeitsmedizin, Betriebsmedizin oder Zusatzbezeichnung Tropenmedizin

Ist die G35-Untersuchung Pflicht?

Für den Arbeitgeber ja, wenn die Gefährdungsbeurteilung einen Aufenthalt mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen ergibt. Dann handelt es sich um Pflichtvorsorge nach ArbMedVV. Der Arbeitgeber darf die Tätigkeit im Ausland erst übertragen, wenn die Vorsorge stattgefunden hat. Nicht jede Dienstreise löst diese Pflicht aus: Ein Messebesuch in einer europäischen Großstadt ist in der Regel kein Anlass, ein Montageeinsatz in einem Gelbfieber- oder Malariagebiet in der Regel schon.

Für die Beschäftigten gilt: Sie müssen am Vorsorgetermin teilnehmen, damit sie die Tätigkeit aufnehmen dürfen. Körperliche Untersuchungen, Blutentnahmen und Impfungen sind dagegen freiwillig und erfolgen nur mit ihrer Einwilligung. Die Vorsorge ist keine Eignungs- oder Tauglichkeitsuntersuchung. Der Arzt bescheinigt also keine ‚Tropentauglichkeit‘.

Nach der Rückkehr muss der Arbeitgeber eine Rückkehreruntersuchung als Angebotsvorsorge anbieten. Die Teilnahme ist freiwillig.

Wie läuft die G35-Untersuchung ab?

Der Ablauf richtet sich nach Reiseziel, Dauer und Tätigkeit. In der Praxis hat sich diese Reihenfolge bewährt:

  1. Termin früh planen: Der erste Termin sollte mindestens 6 bis 8 Wochen vor der Ausreise liegen, damit Impfserien rechtzeitig abgeschlossen sind.
  2. Angaben des Arbeitgebers: Einsatzland, Region, Dauer, Unterkunft und Art der Tätigkeit gehen vorab an den Betriebsarzt.
  3. Unterlagen mitbringen: Impfausweis, Liste der Dauermedikamente und vorhandene Befunde.
  4. Beratungsgespräch: Der Arzt erfragt Vorerkrankungen und bespricht die Risiken im Zielgebiet.
  5. Untersuchung nach Bedarf: Ob körperlich untersucht oder Blut abgenommen wird, entscheidet der Arzt im Einzelfall, immer mit Einwilligung.
  6. Impfplan und Malariaschutz: Fehlende Impfungen werden geplant, die Malaria-Strategie und die Reiseapotheke festgelegt.
  7. Bescheinigung: Beschäftigte und Arbeitgeber erhalten die Vorsorgebescheinigung.

Was erfährt der Arbeitgeber, und wer trägt die Kosten?

Die Vorsorgebescheinigung enthält nur, dass die Vorsorge stattgefunden hat, aus welchem Anlass und wann der nächste Termin ansteht. Befunde, Diagnosen und Angaben zu Vorerkrankungen bleiben unter ärztlicher Schweigepflicht. Rät der Arzt aus Gründen, die allein in der Person liegen, von einem Einsatz ab, darf er dies dem Arbeitgeber nur mit Einwilligung der oder des Beschäftigten mitteilen.

Die Kosten trägt der Arbeitgeber, denn Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen dürfen nach § 3 Abs. 3 ArbSchG nicht den Beschäftigten auferlegt werden. Das gilt auch für tätigkeitsbedingte Reiseimpfungen, die als Teil der Vorsorge angeboten werden. Die Vorsorge soll während der Arbeitszeit stattfinden.

Der Arbeitgeber führt eine Vorsorgekartei, in der festgehalten wird, wann und aus welchem Anlass die Vorsorge stattgefunden hat. Bei häufigen Entsendungen lohnt es sich, dort auch den nächsten Termin und die Rückkehreruntersuchung zu vermerken, damit keine Frist verloren geht. Den Impfausweis mit den Reiseimpfungen behalten die Beschäftigten.

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Was ist die G35-Untersuchung?

Die G35-Untersuchung ist die arbeitsmedizinische Vorsorge vor einem Arbeitseinsatz im Ausland mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen. Sie umfasst die Beratung zu Klima, Hygiene und Infektionsrisiken im Zielgebiet, die Prüfung des Impfschutzes und die Malariaberatung. Rechtsgrundlage ist die ArbMedVV (Anhang Teil 4), die Inhalte beschreibt die DGUV-Empfehlung.

Darf der Hausarzt die G35-Untersuchung machen?

Nur, wenn er Facharzt für Arbeitsmedizin ist, die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin führt oder die Zusatzbezeichnung Tropenmedizin besitzt (§ 7 ArbMedVV, ArbMedVV Anhang Teil 4). Reiseimpfungen beim Hausarzt ersetzen die Vorsorge nicht, weil dort die Beratung zu den Bedingungen des Einsatzes fehlt.

Wer bezahlt die G35-Untersuchung und die Reiseimpfungen?

Der Arbeitgeber bezahlt die Vorsorge und die tätigkeitsbedingten Impfungen, die im Rahmen der Vorsorge angeboten werden. Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen dürfen nach § 3 Abs. 3 ArbSchG nicht den Beschäftigten auferlegt werden. Impfungen gehören nach § 6 Abs. 2 ArbMedVV zur Vorsorge, soweit das Infektionsrisiko tätigkeitsbedingt und im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht ist.

Was passiert, wenn der Arzt Bedenken gegen den Auslandseinsatz hat?

Der Arzt bespricht seine Bedenken mit Ihnen, ein Urteil wie ‚tropentauglich‘ oder ‚nicht tauglich‘ gibt es bei der Vorsorge nicht. Oft lassen sich Risiken durch Impfungen, Medikamente oder eine Anpassung des Einsatzes senken. Hält der Arzt aus Gründen, die allein in Ihrer Person liegen, einen Tätigkeitswechsel für nötig, erfährt der Arbeitgeber das nur mit Ihrer Einwilligung (§ 6 Abs. 4 ArbMedVV).

Gilt die Vorsorge auch für kurze Einsätze?

Ja, wenn im Zielgebiet besondere klimatische Belastungen und Infektionsgefährdungen bestehen. Maßgeblich ist die Gefährdung vor Ort, die Reisedauer allein entscheidet nicht. Auch ein kurzer Einsatz in einem Gelbfiebergebiet setzt zum Beispiel eine rechtzeitige Impfung voraus.

Muss die Vorsorge vor jeder Ausreise wiederholt werden?

Nein, die Termine richten sich nach den Fristen der AMR 2.1 und nicht nach der einzelnen Ausreise. Nach der ersten Vorsorge folgt die nächste spätestens nach 24 Monaten, danach spätestens alle 36 Monate. Ändert sich das Einsatzgebiet deutlich, sollte der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung anpassen; der Arzt kann dann einen früheren Termin festlegen, etwa um den Impfschutz zu ergänzen.