Auf einen Blick
Wer von einem deutschen Unternehmen ins Ausland entsandt wird, etwa zur Montage in Wüstenregionen, bei NGO-Einsätzen, zu Aufsichtsfunktionen in Asien oder zur Forschung in tropischen Endemiegebieten, braucht nicht bei jeder Entsendung eine arbeitsmedizinische Vorsorge. Pflichtvorsorge besteht nach der ArbMedVV (Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2) bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen. Inhalt und Ablauf der Vorsorge beschreibt die DGUV-Empfehlung. Schwerpunkte: reisemedizinische Beratung, Schutzimpfungen (Gelbfieber, Tollwut, Hep A/B, Typhus, Cholera, FSME, Meningokokken, Influenza), Malaria-Chemoprophylaxe, Notfallplanung, klimatisch-physische Belastung. Berufskrankheit: BK 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber).


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1. Was umfasst die Auslandsentsende-Vorsorge?
Die Vorsorge bei Arbeitsaufenthalt im Ausland ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für Beschäftigte, die in besonderem Auftrag im Ausland tätig werden — typisch Anlagenbau, NGO-Einsätze, internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte, Vor-Ort-Service. Schutzziele: Prävention von Tropen- und Reisekrankheiten, Aufrechterhaltung des Impfschutzes, Beratung zu Klima/Hygiene/Sicherheit.
2. Rechtsgrundlage
- ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 2 Nr. 3 (Tätigkeiten im Ausland)
- BioStoffV, IfSG, STIKO-Empfehlungen
- WHO IHR (Internationale Gesundheitsvorschriften)
- Robert-Koch-Institut-Empfehlungen für Reisende
- BKV — BK 3104 (Tropenkrankheiten und Fleckfieber)
3. Vorsorgeanlässe
Pflichtvorsorge: Bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2). Amts- und RKI-Empfehlungen sind ergänzende Hilfsmittel, ersetzen aber nicht die Gefährdungsbeurteilung.
Angebotsvorsorge: Am Ende einer Tätigkeit in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen ist dem Beschäftigten eine Rückkehreruntersuchung anzubieten (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 2 Nr. 3).
4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken
4.1 Top-Branchen
- Internationaler Anlagenbau / Off-shore (Saudi-Arabien, VAE, Nordafrika, Südamerika)
- NGO und Entwicklungszusammenarbeit (Sahel, Subsahara, Südostasien)
- Internationale Forschung und Lehre
- Globale Service-Techniker und Vor-Ort-Schulung
- Diplomatie und Auswärtiges Amt-nahe Funktionen
4.2 Krankheitsbild
Akut: Reisediarrhoe, Hepatitis A/E, Dengue, Malaria, Typhus, Tollwut, Meningokokken-Meningitis, akute Höhenkrankheit (in Anden, Himalaja, Pamir). Chronisch: Tropentaugliche Krankheiten je nach Region (Filariose, Leishmaniose, Schistosomiasis), psychische Belastung (Heimweh, Kulturkonflikt, Sicherheitsstress).
4.3 Berufskrankheiten
BK-Nr. 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Infektionskrankheiten, wenn die versicherte Person im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“
BK-Nr. 3102 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten“
BK-Nr. 3104 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Tropenkrankheiten, Fleckfieber“ (siehe auch: Merkblatt zur BKV-Nr. 3104 der Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV): „Tropenkrankheiten, Fleckfieber“)
BK-Nr. 5103 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung
5. Untersuchungsumfang
Beratung zu Reisemedizin (Klima, Hygiene, Trinkwasser, Lebensmittel, Sicherheit). Anamnese: vorbestehende chronische Erkrankungen, Allergien, Schwangerschaft, Medikamente. Untersuchung: Allgemein, Blutdruck, ggf. EKG, Labor (Blutbild, GOT/GPT, Kreatinin). Schutzimpfungen: Prüfung der Standard-Impfungen (Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio, MMR), Erweiterung um reisespezifische Impfungen (Gelbfieber, Tollwut, Hepatitis A/B, Typhus, Cholera, Meningokokken ACWY, FSME, Japanenzephalitis). Malaria-Beratung: Stand-by-Therapie oder Chemoprophylaxe je nach Region. Erstellung individueller Reise-Apotheke. Notfallkontakt-Liste.
5.1 Reiseapotheke / Erste-Hilfe-Set
Eine individuelle Reise-Apotheke ist Bestandteil der betriebsärztlichen Beratung. Der Inhalt richtet sich nach Reiseziel, Aufenthaltsdauer und persönlichem Gesundheitszustand. Ein Basisset umfasst typischerweise:
- Verbandsmaterial: Sterile Mullbinden, Wundpflaster, elastische Binden, Fieberthermometer, Schere, Pinzette, OP-Handschuhe.
- Zur äußerlichen Anwendung: Wunddesinfektionsmittel, Kortikosteroid-Creme, Antihistamin-Salbe (Insektenstiche), Insektenschutzmittel (DEET oder Icaridin), Sonnenschutzmittel.
- Medikamente: Fiebermittel (Paracetamol), Schmerzmittel (Ibuprofen), Mittel gegen Reisedurchfall (Loperamid), Mittel gegen Übelkeit (Dimenhydrinat), Mittel gegen Magenkrämpfe (Butylscopolamin).
- Standby-Antibiose (nur auf ärztliche Verordnung): Ciprofloxacin bei fieberlosen Durchfallerkrankungen; Doxycyclin bei fieberhaften Erkrankungen ohne Durchfall. Dauer und Dosierung individuell nach ärztlicher Anweisung.
Wichtig: Verschreibungspflichtige Medikamente (inkl. Standby-Antibiose und ggf. Malaria-Chemoprophylaxe) müssen vom Betriebsarzt oder behandelnden Arzt individuell verordnet werden. Geben Sie immer Informationen zu bekannten Allergien an. Dauerhaft eingenommene Medikamente sowie eine Ersatzbrille nicht vergessen.
Rückkehruntersuchung: frühestens 6 Wochen, spätestens 3 Monate nach Rückkehr.
6. Beurteilung
Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV ohne Eignungsbeurteilung. Eine Eignungsuntersuchung ist davon getrennt und nur auf gesonderter Rechtsgrundlage möglich. Vorsorgebescheinigung nach AMR 6.3 plus Internationaler Impfausweis.
7. Praxistipps für Unternehmen
- Reise-Risikobewertung. Land, Region, Saison, Aufenthaltsdauer, Aufgabenfeld — individuelles Risiko ableiten.
- Impfprogramm frühzeitig planen. Mindestens 6–8 Wochen vor Abreise; Gelbfieber 10 Tage vor Endemiegebiets-Aufenthalt.
- Malaria-Strategie definieren. Repellents (DEET, Icaridin), Moskitonetz, lange Kleidung; Chemoprophylaxe je nach Region (Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin, Mefloquin).
- Notfallplan. 24/7-Erreichbarkeit, internationale Krankenversicherung mit Rücktransport (z.B. ADAC Plus, Allianz, AXA).
- Reisemedizinische Krise managen. Auswärtiges Amt-Reisehinweise täglich prüfen; Unternehmen muss Mitarbeiter im Krisenfall holen können.
- Mutterschutz. Schwangerschafts-Reisetauglichkeit individuell prüfen. Schwangere sollten grundsätzlich nicht in Malariaendemiegebiete entsendet werden. Darüber hinaus sind Tätigkeiten mit fruchtschädigenden Stoffen (CMR-Stoffe) zu vermeiden.
- Nachreise-Vorsorge. Bei Fieber oder anderen Beschwerden nach Rückkehr aus einem Endemiegebiet zeitnah ärztlich abklären lassen und auf den Auslandsaufenthalt hinweisen, bei Bedarf tropenmedizinisch.
Besonderheit: Die Auslandsvorsorge darf auch von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Tropenmedizin durchgeführt werden (ArbMedVV Anhang Teil 4 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 i.V.m. § 3 Abs. 2 Satz 1 und § 7 ArbMedVV)
FAQ
Wann ist Pflichtvorsorge zwingend?
Bei Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen — ArbMedVV Anhang Teil 4.
Wie weit im Voraus sollte ich die Vorsorge planen?
Mindestens 6–8 Wochen vor Abreise. Gelbfieber-Impfung muss 10 Tage vor Aufenthalt in Endemiegebiet erfolgen, da sonst Einreise verweigert werden kann.
Welche Impfungen sind Pflicht und welche empfohlen?
Standard-Impfungen sollten aktuell sein (Tetanus, Diphtherie, MMR, Polio). Je nach Reiseziel empfohlen: Tollwut, Hep A/B, Typhus, Meningokokken ACWY, FSME, Cholera. Die Gelbfieberimpfung ist für die Einreise in manche Länder vorgeschrieben. Aktuelle RKI- und CDC-Empfehlungen prüfen.
Welche Berufskrankheiten sind relevant?
BK 3101 (Infektionskrankheiten, wenn die versicherte Person im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war), BK 3102 (von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten), BK 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber) und BK 5103 (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung). Voraussetzung für die Anerkennung sind ein dokumentierter beruflicher Aufenthalt und eine gesicherte Diagnose.
Was tun bei Erkrankung im Ausland?
Sofortige Kontaktaufnahme mit der Versicherung; Aufsuchen einer qualifizierten Klinik (Botschaft hilft); Dokumentation aller Befunde für Tropenmediziner zur Rückkehr.
Quellen
- DGUV Empfehlung „Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen oder gesundheitlichen Belastungen“, Fassung Januar 2022
- ArbMedVV Anhang Teil 4; BioStoffV; IfSG
- STIKO-Empfehlungen2025/2026 (RKI) (Stand:laufend aktualisiert, vor Entsendung aktuell prüfen)
- WHO Internationale Gesundheitsvorschriften (IHR)
- BKV — BK 3101, 3102, 3104 (Tropenkrankheiten, Fleckfieber), 5103
- Auswärtiges Amt Reise- und Sicherheitshinweise (Stand: laufend aktualisiert, vor Entsendung aktuell prüfen)
IAAI — wir setzen die Auslandsentsende-Vorsorge für Sie um
Wir betreuen international tätige Anlagenbauer, NGO, Forschungseinrichtungen und Service-Techniker bundesweit. Reisemedizinische Beratung, Gelbfieberimpfung in akkreditierter Praxis, Malaria-Chemoprophylaxe, BK-3104-Antragsbegleitung.
Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.