Auf einen Blick
Wer ein Atemschutzgerät trägt, muss den damit verbundenen körperlichen Belastungen gewachsen sein. Die Eignungsbeurteilung orientiert sich an der DGUV-Empfehlung (ehemals G 26). Diese Empfehlung ist selbst nicht rechtsverbindlich: Eine routinemäßige Eignungsuntersuchung setzt eine eigene Rechtsgrundlage voraus, etwa § 6 DGUV Vorschrift 49 für ehrenamtliche Feuerwehrangehörige oder eine arbeitsvertragliche, tarifliche oder betriebliche Regelung. Für Geräte bis 3 kg ohne Atemwiderstand und für reine Fluchtgeräte ist in der Regel keine Eignungsbeurteilung vorgesehen. Anders als die ArbMedVV-Vorsorge endet die Eignungsbeurteilung mit einem Urteil (geeignet, geeignet unter Voraussetzungen, nicht geeignet). Schwerpunkte: Spirometrie, Belastungs-EKG je nach Gerätegruppe, Sehtest, kardiopulmonale Belastbarkeit. Typische Branchen: Feuerwehr, Werkfeuerwehr, Sanierungsbetriebe, Reinigung, Lackierer, Schweißer.


Kostenloses Werkzeug
Welche Vorsorge braucht Ihr Betrieb?
Tätigkeiten anklicken und sofort sehen, welche Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge nach ArbMedVV gilt, mit Fristen nach AMR 2.1 und PDF zum Ausdrucken.
1. Was ist die Eignungsbeurteilung Atemschutz?
Die Eignungsbeurteilung Atemschutzgeräte (ehem. G 26) prüft die körperliche Eignung zum Tragen von Atemschutzgeräten. Wichtig: Dies ist KEINE arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV, sondern eine echte Eignungsuntersuchung. Der Arbeitgeber kann/muss bei negativem Eignungsurteil die Tätigkeit umstellen.
2. Rechtsgrundlage
- DGUV V 1 (Grundsätze der Prävention) § 31 (besondere Unterweisungen mit Übungen bei PSA, z. B. Atemschutz)
- DGUV Regel 112-190 Atemschutzgeräte
- DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren“ (§ 6 Persönliche Anforderungen und Eignung)
- EN 137, 136, 149, 12942 (Atemschutzgeräte-Normen)
- BKV: BK 4301 (durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen), BK 4302 (obstruktive Atemwegserkrankungen durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe)
3. Gruppen 1 bis 3: Einteilung nach AMR 14.2
| Gruppe | Beschreibung | Beispiele | Untersuchung |
|---|---|---|---|
| 1 | Filtergeräte mit P3-Filter, frei tragbare Isoliergeräte unter 5 kg, Druckluft-Schlauchgeräte mit Maske | z. B. Halb- oder Vollmaske mit P3-Filter; FFP-Masken und P1/P2-Filter gehören seit der Neufassung 2026 keiner Gruppe an | Standard-Eignung |
| 2 | Filtergeräte mit Gas- oder Kombinationsfiltern, Frischluft-Saugschlauchgeräte | Vollmaske mit Gasfilter (z. B. ABEK) | + Ruhe-EKG |
| 3 | Pressluftatmer und Regenerationsgeräte, >5 kg | Pressluftatmer (PA), Kreislaufgerät | + Belastungs-EKG, ergometrische Prüfung |
4. Branchen, BK-Risiken
4.1 Branchen
- Feuerwehr (Berufs- und Werkfeuerwehr) — Gruppe 3
- Sanierungsbetriebe (Asbest, Schimmel, Schadstoff) — Gruppe 2/3
- Industrielle Reinigung mit chemischen Reinigern — Gruppe 1/2
- Lackierer, Schweißer, Galvaniseure — Gruppe 1/2
- Tunnelbau, Bergbau Untertage — Gruppe 3
- Pharmazie, Biolabore (Hochsicherheit RG3/4) — Gruppe 2/3
4.2 Krankheitsbilder bei Nicht-Eignung
Bei Nicht-Eignung können kardiale Dekompensation, Atemnot, Synkope, Hyperventilation oder Klaustrophobie auftreten — lebensbedrohlich besonders bei Pressluftatmer-Einsatz im Innenangriff oder Sanierung.
5. Untersuchungsumfang
Beratung zu Atemschutz-Pflichten, Verhalten bei Atemnot, Pflege/Wartung. Anamnese: kardiopulmonale Erkrankungen (KHK, Asthma, COPD), Klaustrophobie, Migräne, Rhinitis, Ohrerkrankungen. Untersuchung: Inspektion Mund-/Nasenraum, HNO, Blutdruck, Ruhe-EKG. Spirometrie (FEV1, FVC, FEV1/FVC, MEF50): Die Lungenfunktion wird nach aktuellen Referenzwerten (untere Normgrenze) im Rahmen der Gesamtbeurteilung bewertet. Sehtest: nach den Vorgaben der DGUV-Empfehlung.
Für Gruppe 3: Belastungs-EKG (Fahrradergometrie nach den Vorgaben der DGUV-Empfehlung). Akzeptanzkriterien: Belastung erreicht, keine Arrhythmien, RR-Anstieg unauffällig, kein Angina-Symptom. Ggf. erweiterte Diagnostik (Spirometrie unter Maske, Klaustrophobie-Test).
6. Beurteilung und Eignungsurteil
Das Ergebnis der DGUV-Eignungsbeurteilung ist eines von drei: geeignet, geeignet unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. nur Gruppe 1, begrenzte Tragezeit), nicht geeignet. Bescheinigung an Versicherten und Arbeitgeber. Bei Nichteignung muss der Arbeitgeber die Tätigkeit ändern oder den Mitarbeiter umsetzen.
7. Praxistipps für Unternehmen
- Tragezeitbegrenzung beachten. DGUV R 112-190 limitiert Tragezeit pro Schicht je Gruppe; Pausenregelung definieren.
- Passform-Check (Fit-Test). Vor Eignungsurteil quantitativer oder qualitativer Fit-Test (Dichtsitzprüfung mit Saccharin oder PortaCount) durchführen.
- Alter beachten. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht; ab 50 Jahren verkürzen sich die Nachuntersuchungsfristen (DGUV Vorschrift 49 Anlage 1).
- Einweisung dokumentieren. Schulung in An- und Ablegen, Notfallverhalten, hygienische Aufbereitung.
- Hygiene-Konzept. Persönlich zugeordnete Masken oder professionelle Desinfektion zwischen Trägern.
- Nachuntersuchung. Bis 50 Jahre alle 36 Monate, über 50 Jahre alle 24 Monate (Gerätegewicht bis 5 kg) bzw. 12 Monate (über 5 kg); bei Auffälligkeiten verkürzt (Fristen nach DGUV Vorschrift 49 Anlage 1).
- Schwangerschaft. Tragepflicht aussetzen oder Wechsel auf nicht-Atemschutz-Tätigkeit — § 11 Abs. 5 Satz 2 Nr. 7 MuSchG.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Atemschutz-Eignung und ArbMedVV-Vorsorge?
Die Atemschutz-Eignung ist eine Eignungsuntersuchung mit Eignungsurteil. ArbMedVV-Vorsorge ist beratend ohne Eignungsurteil. Für Atemschutz-Träger sind beide getrennt vorgesehen.
Welche Untersuchungen sind Pflicht?
Gruppe 1: Anamnese, Inspektion, Sehtest, Spirometrie. Gruppe 2: + Ruhe-EKG. Gruppe 3: + Belastungs-EKG (Ergometrie).
Wann sind Folgeuntersuchungen?
Nach DGUV Vorschrift 49 Anlage 1: Personen bis 50 Jahre alle 36 Monate; über 50 Jahre bei Gerätegewicht bis 5 kg alle 24 Monate, über 5 kg alle 12 Monate. Keine regelmäßigen Untersuchungen bei Geräten bis 3 kg ohne Atemwiderstand, bei Geräten bis 3 kg mit Atemwiderstand bis 5 mbar und weniger als 30 Minuten Tragezeit pro Tag sowie bei reinen Flucht- und Selbstrettungsgeräten bis 5 kg. Bei Auffälligkeit verkürzt.
Was ist ein Fit-Test?
Quantitative oder qualitative Prüfung der Maskendichtigkeit am Träger. Wichtig für individuelle Maskenanpassung; Vollmasken nur ohne Bart oder mit speziellen Atemmasken.
Bart-Risiko bei Atemschutz?
Bei Vollmasken oder Halbmasken muss die Gesichtshaut bartfrei sein — Bart verhindert die Dichtung. Bei Bartträgern entweder Bart entfernen oder Atemschutzhauben mit Gebläse (TH-Klasse) oder Schlauchgeräte.
Welche BK kommen in Betracht?
BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen), BK 4302 (chemisch-irritativ oder toxisch verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen).
Quellen
- DGUV Empfehlung „Atemschutzgeräte (Eignung)“
- DGUV V 1 § 31; DGUV R 112-190
- EN 137, 136, 149, 12942
- BKV: BK 4301, BK 4302
IAAI — wir setzen die Atemschutz-Eignung für Sie um
Wir betreuen Berufsfeuerwehren, Werkfeuerwehren, Sanierungs-, Lackier- und Industriebetriebe bundesweit. G-26-Eignungsbeurteilung mit Spirometrie, Belastungs-EKG, Fit-Test, Eignungsbescheinigung.
Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.