DGUV-Empfehlung · G 26

Atemschutz-Eignung: Gruppe 1 bis 3 im Überblick

Eignungsbeurteilung für Träger von Atemschutzgeräten Gruppe 1–3 nach der DGUV-Empfehlung (ehem. G 26). Spirometrie, Belastungs-EKG, Sehtest, kardiopulmonale Belastbarkeit. Feuerwehr, Sanierung, Industrie. Stand April 2026.

Autor: Johannes F. Angerer · Arzt im arbeitsmedizinischen DienstVeröffentlicht: 22. Januar 2025 · Aktualisiert: 12. April 2026 · Lesezeit: 13 Minuten

Auf einen Blick

Wer ein Atemschutzgerät trägt, muss den damit verbundenen körperlichen Belastungen gewachsen sein. Die Eignungsbeurteilung orientiert sich an der DGUV-Empfehlung (ehemals G 26). Diese Empfehlung ist selbst nicht rechtsverbindlich: Eine routinemäßige Eignungsuntersuchung setzt eine eigene Rechtsgrundlage voraus, etwa § 6 DGUV Vorschrift 49 für ehrenamtliche Feuerwehrangehörige oder eine arbeitsvertragliche, tarifliche oder betriebliche Regelung. Für Geräte bis 3 kg ohne Atemwiderstand und für reine Fluchtgeräte ist in der Regel keine Eignungsbeurteilung vorgesehen. Anders als die ArbMedVV-Vorsorge endet die Eignungsbeurteilung mit einem Urteil (geeignet, geeignet unter Voraussetzungen, nicht geeignet). Schwerpunkte: Spirometrie, Belastungs-EKG je nach Gerätegruppe, Sehtest, kardiopulmonale Belastbarkeit. Typische Branchen: Feuerwehr, Werkfeuerwehr, Sanierungsbetriebe, Reinigung, Lackierer, Schweißer.

Spirometrie mit Mundstück und Nasenklemme
Spirometrie als Pflicht-Diagnostik der Atemschutz-Eignung G26.
Asbestsanierung mit Vollschutzanzug und P3-Filter
Asbestsanierung mit Vollschutz und Atemschutz Klasse 2/3.

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1. Was ist die Eignungsbeurteilung Atemschutz?

Die Eignungsbeurteilung Atemschutzgeräte (ehem. G 26) prüft die körperliche Eignung zum Tragen von Atemschutzgeräten. Wichtig: Dies ist KEINE arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV, sondern eine echte Eignungsuntersuchung. Der Arbeitgeber kann/muss bei negativem Eignungsurteil die Tätigkeit umstellen.

2. Rechtsgrundlage

  • DGUV V 1 (Grundsätze der Prävention) § 31 (besondere Unterweisungen mit Übungen bei PSA, z. B. Atemschutz)
  • DGUV Regel 112-190 Atemschutzgeräte
  • DGUV Vorschrift 49 „Feuerwehren“ (§ 6 Persönliche Anforderungen und Eignung)
  • EN 137, 136, 149, 12942 (Atemschutzgeräte-Normen)
  • BKV: BK 4301 (durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen), BK 4302 (obstruktive Atemwegserkrankungen durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe)

3. Gruppen 1 bis 3: Einteilung nach AMR 14.2

GruppeBeschreibungBeispieleUntersuchung
1Filtergeräte mit P3-Filter, frei tragbare Isoliergeräte unter 5 kg, Druckluft-Schlauchgeräte mit Maskez. B. Halb- oder Vollmaske mit P3-Filter; FFP-Masken und P1/P2-Filter gehören seit der Neufassung 2026 keiner Gruppe anStandard-Eignung
2Filtergeräte mit Gas- oder Kombinationsfiltern, Frischluft-SaugschlauchgeräteVollmaske mit Gasfilter (z. B. ABEK)+ Ruhe-EKG
3Pressluftatmer und Regenerationsgeräte, >5 kgPressluftatmer (PA), Kreislaufgerät+ Belastungs-EKG, ergometrische Prüfung

4. Branchen, BK-Risiken

4.1 Branchen

  • Feuerwehr (Berufs- und Werkfeuerwehr) — Gruppe 3
  • Sanierungsbetriebe (Asbest, Schimmel, Schadstoff) — Gruppe 2/3
  • Industrielle Reinigung mit chemischen Reinigern — Gruppe 1/2
  • Lackierer, Schweißer, Galvaniseure — Gruppe 1/2
  • Tunnelbau, Bergbau Untertage — Gruppe 3
  • Pharmazie, Biolabore (Hochsicherheit RG3/4) — Gruppe 2/3

4.2 Krankheitsbilder bei Nicht-Eignung

Bei Nicht-Eignung können kardiale Dekompensation, Atemnot, Synkope, Hyperventilation oder Klaustrophobie auftreten — lebensbedrohlich besonders bei Pressluftatmer-Einsatz im Innenangriff oder Sanierung.

5. Untersuchungsumfang

Beratung zu Atemschutz-Pflichten, Verhalten bei Atemnot, Pflege/Wartung. Anamnese: kardiopulmonale Erkrankungen (KHK, Asthma, COPD), Klaustrophobie, Migräne, Rhinitis, Ohrerkrankungen. Untersuchung: Inspektion Mund-/Nasenraum, HNO, Blutdruck, Ruhe-EKG. Spirometrie (FEV1, FVC, FEV1/FVC, MEF50): Die Lungenfunktion wird nach aktuellen Referenzwerten (untere Normgrenze) im Rahmen der Gesamtbeurteilung bewertet. Sehtest: nach den Vorgaben der DGUV-Empfehlung.

Für Gruppe 3: Belastungs-EKG (Fahrradergometrie nach den Vorgaben der DGUV-Empfehlung). Akzeptanzkriterien: Belastung erreicht, keine Arrhythmien, RR-Anstieg unauffällig, kein Angina-Symptom. Ggf. erweiterte Diagnostik (Spirometrie unter Maske, Klaustrophobie-Test).

6. Beurteilung und Eignungsurteil

Das Ergebnis der DGUV-Eignungsbeurteilung ist eines von drei: geeignet, geeignet unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. nur Gruppe 1, begrenzte Tragezeit), nicht geeignet. Bescheinigung an Versicherten und Arbeitgeber. Bei Nichteignung muss der Arbeitgeber die Tätigkeit ändern oder den Mitarbeiter umsetzen.

7. Praxistipps für Unternehmen

  1. Tragezeitbegrenzung beachten. DGUV R 112-190 limitiert Tragezeit pro Schicht je Gruppe; Pausenregelung definieren.
  2. Passform-Check (Fit-Test). Vor Eignungsurteil quantitativer oder qualitativer Fit-Test (Dichtsitzprüfung mit Saccharin oder PortaCount) durchführen.
  3. Alter beachten. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht; ab 50 Jahren verkürzen sich die Nachuntersuchungsfristen (DGUV Vorschrift 49 Anlage 1).
  4. Einweisung dokumentieren. Schulung in An- und Ablegen, Notfallverhalten, hygienische Aufbereitung.
  5. Hygiene-Konzept. Persönlich zugeordnete Masken oder professionelle Desinfektion zwischen Trägern.
  6. Nachuntersuchung. Bis 50 Jahre alle 36 Monate, über 50 Jahre alle 24 Monate (Gerätegewicht bis 5 kg) bzw. 12 Monate (über 5 kg); bei Auffälligkeiten verkürzt (Fristen nach DGUV Vorschrift 49 Anlage 1).
  7. Schwangerschaft. Tragepflicht aussetzen oder Wechsel auf nicht-Atemschutz-Tätigkeit — § 11 Abs. 5 Satz 2 Nr. 7 MuSchG.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Atemschutz-Eignung und ArbMedVV-Vorsorge?

Die Atemschutz-Eignung ist eine Eignungsuntersuchung mit Eignungsurteil. ArbMedVV-Vorsorge ist beratend ohne Eignungsurteil. Für Atemschutz-Träger sind beide getrennt vorgesehen.

Welche Untersuchungen sind Pflicht?

Gruppe 1: Anamnese, Inspektion, Sehtest, Spirometrie. Gruppe 2: + Ruhe-EKG. Gruppe 3: + Belastungs-EKG (Ergometrie).

Wann sind Folgeuntersuchungen?

Nach DGUV Vorschrift 49 Anlage 1: Personen bis 50 Jahre alle 36 Monate; über 50 Jahre bei Gerätegewicht bis 5 kg alle 24 Monate, über 5 kg alle 12 Monate. Keine regelmäßigen Untersuchungen bei Geräten bis 3 kg ohne Atemwiderstand, bei Geräten bis 3 kg mit Atemwiderstand bis 5 mbar und weniger als 30 Minuten Tragezeit pro Tag sowie bei reinen Flucht- und Selbstrettungsgeräten bis 5 kg. Bei Auffälligkeit verkürzt.

Was ist ein Fit-Test?

Quantitative oder qualitative Prüfung der Maskendichtigkeit am Träger. Wichtig für individuelle Maskenanpassung; Vollmasken nur ohne Bart oder mit speziellen Atemmasken.

Bart-Risiko bei Atemschutz?

Bei Vollmasken oder Halbmasken muss die Gesichtshaut bartfrei sein — Bart verhindert die Dichtung. Bei Bartträgern entweder Bart entfernen oder Atemschutzhauben mit Gebläse (TH-Klasse) oder Schlauchgeräte.

Welche BK kommen in Betracht?

BK 4301 (allergische obstruktive Atemwegserkrankungen), BK 4302 (chemisch-irritativ oder toxisch verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen).

Quellen

  • DGUV Empfehlung „Atemschutzgeräte (Eignung)“
  • DGUV V 1 § 31; DGUV R 112-190
  • EN 137, 136, 149, 12942
  • BKV: BK 4301, BK 4302

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Wir betreuen Berufsfeuerwehren, Werkfeuerwehren, Sanierungs-, Lackier- und Industriebetriebe bundesweit. G-26-Eignungsbeurteilung mit Spirometrie, Belastungs-EKG, Fit-Test, Eignungsbescheinigung.

Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.

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Atemschutz-Eignung auf einen Blick

Die Atemschutz-Eignung ist die ärztliche Beurteilung, ob Beschäftigte den körperlichen Belastungen durch Atemschutzgeräte der Gruppen 1 bis 3 gewachsen sind. Sie war früher Teil des G 26 und folgt heute der DGUV-Empfehlung für die Eignung zum Tragen von Atemschutzgeräten. Vorgesehen ist sie vor allem bei Feuerwehr, Sanierung und Industrie, wenn eine Rechtsgrundlage oder eine vertragliche Regelung die Untersuchung verlangt.

ArtEignungsuntersuchung, keine Vorsorge nach ArbMedVV
Rechtsgrundlagekeine allgemeine Pflicht; z. B. § 6 DGUV Vorschrift 49 (Feuerwehr), Arbeits- oder Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung
Für wenTräger von Atemschutzgeräten der Gruppen 1 bis 3, wenn eine Rechtsgrundlage oder Vereinbarung besteht
Ergebnisgeeignet, geeignet unter Voraussetzungen oder nicht geeignet
Nachuntersuchungnach der jeweiligen Rechtsgrundlage; Feuerwehr nach DGUV Vorschrift 49 Anlage 1: bis 50 Jahre 36 Monate, darüber 24 Monate (Geräte bis 5 kg) bzw. 12 Monate (über 5 kg)
Kostenträgt, wer die Untersuchung veranlasst, in der Regel der Arbeitgeber

Was erfährt der Arbeitgeber aus der Eignungsuntersuchung?

Der Arbeitgeber erhält nur das Urteil: geeignet, geeignet unter Voraussetzungen oder nicht geeignet. Bei Voraussetzungen nennt die Bescheinigung, was zu beachten ist, zum Beispiel nur Geräte der Gruppe 1 oder eine begrenzte Tragezeit. Diagnosen, Werte aus Spirometrie und EKG und Angaben aus dem Arztgespräch bleiben in der ärztlichen Akte. Sie unterliegen der Schweigepflicht und gehen ohne Ihre Einwilligung nicht an den Betrieb.

Eignungsuntersuchung und arbeitsmedizinische Vorsorge sind getrennte Verfahren. Nach § 3 Abs. 3 ArbMedVV sollen sie nicht zusammen durchgeführt werden. Finden sie aus betrieblichen Gründen doch am selben Termin statt, muss der Arzt Ihnen offenlegen, welcher Teil der Vorsorge dient und welcher der Eignungsprüfung. Die Vorsorge nach ArbMedVV (früher ebenfalls G26) erklärt unser Beitrag G26-Untersuchung.

Wer führt die Untersuchung durch und wer zahlt?

Die ArbMedVV regelt die Qualifikation des Arztes nur für die Vorsorge (§ 7 ArbMedVV). Für die Eignungsbeurteilung empfiehlt die DGUV-Empfehlung einen Arzt mit Gebietsbezeichnung Arbeitsmedizin oder Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin, der Arbeitsplatz und Gefährdungsbeurteilung kennt. Für Feuerwehren verlangt § 6 Abs. 5 DGUV Vorschrift 49 hierfür geeignete Ärztinnen oder Ärzte. Er kennt Gerätegruppen, Tragezeiten und Einsatzbedingungen und kann Belastungs-EKG und Fit-Test einordnen. Ein Hausarzt kann diese Anforderungen am konkreten Arbeitsplatz meist nicht beurteilen. Die Kosten trägt der Arbeitgeber, der die Untersuchung veranlasst. Bei Feuerwehren veranlasst der Unternehmer, also der Träger der Feuerwehr, die Eignungsuntersuchungen und trägt die Kosten (§ 6 Abs. 6 DGUV Vorschrift 49).

Die IAAI übernimmt die Eignungsbeurteilung bundesweit, vor Ort im Betrieb oder in der Praxis, auf Wunsch mit Fit-Test und getrennter Vorsorge. Angebot anfordern

Ist die Atemschutz-Eignungsuntersuchung Pflicht?

Nein, eine allgemeine gesetzliche Pflicht gibt es nicht: Die Eignungsuntersuchung ist nur verbindlich, wenn eine Rechtsgrundlage oder eine arbeitsvertragliche, tarifliche oder betriebliche Regelung sie vorsieht. Für ehrenamtliche Feuerwehrangehörige ergibt sie sich aus § 6 DGUV Vorschrift 49. Unabhängig davon gilt die Vorsorge nach ArbMedVV: Pflichtvorsorge bei Geräten der Gruppen 2 und 3, Angebotsvorsorge bei Geräten der Gruppe 1 (Anhang Teil 4).

Was passiert, wenn ich als nicht geeignet beurteilt werde?

Dann darf Sie der Arbeitgeber für Tätigkeiten mit den betreffenden Atemschutzgeräten nicht einsetzen. Er muss Beschäftigte, die eine Arbeit nicht ohne Gefahr ausführen können, davon fernhalten (§ 7 Abs. 2 DGUV Vorschrift 1). Oft gibt es Zwischenlösungen, etwa ein leichteres Gerät, eine kürzere Tragezeit oder eine erneute Beurteilung nach Behandlung.

Wie bereite ich mich auf die Untersuchung vor?

Bringen Sie Brille oder Kontaktlinsen, eine Liste Ihrer Medikamente und vorhandene Befunde zu Herz und Lunge mit. Für Gruppe 3 ist ein Belastungs-EKG vorgesehen, dafür ist bequeme Sportkleidung sinnvoll. Ist ein Fit-Test mit Maske geplant, sollte die Haut im Dichtbereich rasiert sein.

Darf ich meine Befunde selbst einsehen?

Ja, der Arzt bespricht die Ergebnisse mit Ihnen, und Sie können Einsicht in Ihre Patientenakte verlangen (§ 630g BGB). So können Sie etwa Spirometrie- oder EKG-Befunde an Ihren Hausarzt weitergeben.