G32-Untersuchung: Cadmium-Vorsorge
Für Cadmium konnte aufgrund der Datenlage kein BGW abgeleitet werden. Der BLW (2 µg/g Kreatinin im Urin) dient als Orientierungswert für Schutzmaßnahmen. Zusätzlich HBM-I- und HBM-II-Werte des UBA (1 bzw. 4 µg/l Urin). Der BAR (0,8 µg/l Urin für Nichtraucher) ist der Referenzwert der Allgemeinbevölkerung
— DGUV-Empfehlung „Cadmium und Cadmiumverbindungen“
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1. Was ist die Cadmium-Vorsorge?
Die Vorsorge nach der DGUV-Empfehlung richtet sich an Beschäftigte, die mit Cadmium oder seinen Verbindungen — Cadmiumoxid, -sulfid, -sulfat, -karbonat — umgehen. Schutzziel ist die Früherkennung der typischen Cadmium-Schäden: tubuläre Nephropathie mit β₂-Mikroglobulinurie, Knochenschäden (Itai-Itai-ähnlich), Bronchialkarzinom. Chronische Schäden umfassen: chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen und Lungenemphysem, toxische Tubulopathie mit Nierenfunktionsstörung, Osteomalazie (Mineralisationsstörung des Knochens durch cadmiuminduzierte Nierenschädigung mit Vitamin-D-Stoffwechselstörung — klassisches Bild der historischen „Itai-Itai-Krankheit"), Lungenkarzinom und Nierenzellkarzinom."
Aufnahme inhalativ und oral; Halbwertszeit in der Niere extrem lang (10–30 Jahre). Latenzzeit bis Bronchialkarzinom 15–40 Jahre, daher nachgehende Vorsorge nach dem Ausscheiden, mit Einwilligung der Person über die GVS.
2. Rechtsgrundlage und Stand April 2026
- ArbMedVV Anhang Teil 1 Nr. 1; GefStoffV mit § 10 (CMR-Stoffe)
- TRGS 401 — Hautkontakt
- AMR 11.1, 6.3, 2.1
- BKV BK 1104 — Erkrankungen durch Cadmium oder seine Verbindungen
3. Vorsorgeanlässe
Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit Cadmium und Cadmiumverbindungen, wenn: der AGW nicht eingehalten wird (aktuell für Cadmium und anorganische Cadmiumverbindungen im E-Staub festgelegt), oder eine wiederholte Exposition gegenüber CMR-1A/1B-Cadmiumverbindungen nicht ausgeschlossen werden kann, oder die Cadmiumverbindung hautresorptiv ist und Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann. Die AMR 11.1 ist zu beachten.Angebotsvorsorge bei nicht ausschließbarer Restexposition. Nachgehende Vorsorge nach dem Ausscheiden; mit Einwilligung der Person über die GVS. Wunschvorsorge auf Verlangen.
Fristen: Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 12 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate, bei Auffälligkeit verkürzt; nachgehende Vorsorge alle 36 Monate.
4. Betroffene Branchen und Tätigkeiten
4.1 Höhere Exposition
- Akkuhersteller (NiCd-Akkus) und Akku-Recycling
- Galvanik (galvanisches Verkadmen)
- Pigment- und Farbstoffproduktion (Cadmiumsulfid, -selenid)
- Metallrecycling und Schrottverarbeitung
- Hartlötung mit cadmiumhaltigen Lötlegierungen
4.2 Top-3-Branchen IAAI
NiCd-Akku-Hersteller / Recycling. Plattenfertigung, Zerlegung, Schmelze. Pflichtvorsorge mit Cd-Vollblut und β₂-Mikroglobulin alle 36 Monate.
Galvanik (galvanisches Verkadmen). Cadmium wird galvanisch als Schutzschicht abgeschieden; Vorsorge nach den Kriterien der ArbMedVV.
Pigment-Produktion. Cadmiumsulfid- und -selenid-Pigmente in Kunststoff-, Glas- und Keramik-Färbung.
5. Untersuchungsumfang
5.1 Beratung & Anamnese
Anamnese: Rauchen als zentraler Confounder — die BAR-Werte gelten ausschließlich für Nichtraucher; bei Rauchern sind Cd-Werte im Urin/Blut altersabhängig deutlich erhöht. Ernährungsanamnese: Innereien (Niere, Leber), Wildpilze, Muscheln als relevante Cd-Quellen. Bei Verlaufskontrollen immer Erstvorsorge-Werte berücksichtigen.
Beratung zu Aufnahmewegen, Tabakkonsum (Tabakrauch ist eine wichtige nicht-berufliche Cd-Quelle, multiplikativ für Lungenkrebs), Hand-zu-Mund-Hygiene. Symptome wie Polyurie, Knochenschmerzen, Husten, Atemnot.
5.2 Körperliche Untersuchung
Allgemein-internistisch, Auskultation Lunge, Lymphknoten, Wirbelsäulen-Druckschmerz (Knochen), Inspektion Mundhöhle („gelber Zahnsaum“ historisch).
5.3 Labordiagnostik / Biomonitoring
- Cd-Vollblut (BAR 1 µg/l Nichtraucher) — Marker der aktuellen Exposition; Cd-Urin (BLW 2 µg/g Kreatinin) — Marker der kumulativen Langzeitbelastung.
- β₂-Mikroglobulin im Urin als sensitiver Marker tubulärer Nierenschädigung
- Retinol-binding Protein (RBP) ergänzend
- Kreatinin, GFR, Albumin im Urin
- Klinische Untersuchungen Erstvorsorge: Urinstatus (Mehrfachteststreifen), orientierende Prüfung der Nasenatmung, Spirometrie (Leitfaden Lungenfunktionsprüfung), Kreatinin im Serum, β2-Mikroglobulin im Urin, BSG oder CRP, Leberenzyme (SGOT, SGPT, γ-GT), Biomonitoring Cd im Urin.Nachuntersuchung ergänzend: Biomonitoring Cd im Blut UND Cd im Urin (Cd im Blut entfällt bei nachgehender Untersuchung); Nierensonographie nach langjähriger Exposition. Bei hohen Cd-Expositionen zusätzlich Geruchssinnprüfung (Sniffin' Sticks) und Nasenspiegelung mit anteriorer Rhinomanometrie.
5.4 Bildgebung
Bei Hochrisiko-Gruppen: Spirometrie; Bildgebung nur bei klinischem Verdacht und rechtfertigender Indikation.
6. Beurteilung und Bescheinigung
Vier-Stufen-Schema. Bei β₂-Mikroglobulinurie oder Cd-Überschreitung: verkürzte Frist, Tätigkeitswechsel prüfen. Bei begründetem Verdacht: BK-Anzeige BK 1104. Vorsorgebescheinigung nach AMR 6.3 ohne Diagnose.
7. Praxistipps für Unternehmen
1. Substitution dokumentieren (CMR-Pflicht). 2. Inhalative und orale Aufnahme vermeiden — Atemschutz, getrennte Pausenräume. 3. Tabakprogramm wegen multiplikativem Lungenkrebsrisiko. 4.Meldung bei DGUV Vorsorge — Bei krebserzeugenden Cadmiumverbindungen der Kategorie 1A/1B (u. a. Cadmiumsulfid, Cadmiumoxid): Anmeldung im Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) für die nachgehende Vorsorge. 5. Vorsorgekartei lückenlos.
8. Praxistipps für Betriebsärzte
- Cd-Vollblut (BAR 1 µg/l Nichtraucher) — Marker der aktuellen Exposition; Cd-Urin (BLW 2 µg/g Kreatinin) — Marker der kumulativen Langzeitbelastung.
- Tabakanamnese in Packungsjahren — Tabakrauch ist relevante nicht-berufliche Cd-Quelle
- Bei β₂-Mikroglobulinurie: Nierenschaden ist meist irreversibel, sofortige Tätigkeitsbegrenzung erwägen
- BK 1104 bei Verdacht zeitnah anzeigen
- Anmeldung im Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de). Bei krebserzeugenden Cadmiumverbindungen CMR 1A/1B: Anmeldung bei DGUV Vorsorge beim Ausscheiden veranlassen
9. Häufige Fragen (FAQ)
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber. Nachgehende Vorsorge nach Ausscheiden organisiert die GVS.
Was ist β₂-Mikroglobulinurie?
Tubulärer Nieren-Marker — erhöhte Ausscheidung weist auf Cadmium-induzierte Tubulusschädigung hin und ist meist irreversibel.
Welche BK?
BK 1104 „Erkrankungen durch Cadmium oder seine Verbindungen“.
Verstärkt Tabak das Risiko?
Ja — Tabakrauch ist eine wichtige nicht-berufliche Cd-Quelle und wirkt multiplikativ auf das Bronchialkarzinom-Risiko.


10. Quellen
- DGUV (Hrsg.): DGUV Empfehlung Cadmium und Cadmiumverbindungen, 2. Auflage September 2024.
- ArbMedVV, GefStoffV, ArbSchG, ASiG, DGUV V2 (Stand April 2026)
- TRGS 561, 905, 910, 401, 903
AMR 11.1, 6.2 - BK 1104
Stand: April 2026 · IAAI Arbeitssicherheit GmbH · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.