G34-Untersuchung: Vorsorge bei Fluor und anorganischen Fluorverbindungen
TRGS 903 nennt für Fluorwasserstoff und anorganische Fluorverbindungen einen BGW von 4 mg/l Fluorid im Urin (Probennahme am Expositions-/Schichtende) — identisch mit dem BAT-Wert der MAK-BAT-Werte-Liste. Ein BLW ist nicht ausgewiesen.
— DGUV-Empfehlung
Kostenloses Werkzeug
Welche Vorsorge braucht Ihr Betrieb?
Tätigkeiten anklicken und sofort sehen, welche Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge nach ArbMedVV gilt, mit Fristen nach AMR 2.1 und PDF zum Ausdrucken.
1. Worum geht es bei der Fluor-Vorsorge?
Die DGUV-Empfehlung „Fluor und anorganische Fluorverbindungen“ regelt die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Flusssäure, Fluoriden und elementarem Fluor. Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann, typisch bei Hartverchromung, Glasätzung und Halbleiterfertigung; sonst Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann. Rechtsgrundlagen: ArbMedVV, GefStoffV mit TRGS 900 (AGW) und TRGS 903 (BGW).
Hauptgefahren: Flusssäure-Verätzung (tiefenwirksam, schmerzhaft, hypokalzämische Krise möglich); chronische Aufnahme führt zu Skelettfluorose (Knochenverdichtung, Bewegungseinschränkung) und Zahnfluorose. Berufskrankheit: BK 1308 (Erkrankungen durch Fluor und seine Verbindungen)
2. Branchen-Schlaglicht
Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht
- Galvanik / Hartverchromung — Flusssäure-haltige Beizbäder, hohe Pflichtvorsorge-Quote.
- Glas-/Quarzindustrie — HF-Ätzung, Halbleiter-Wafer-Reinigung.
- Aluminiumelektrolyse — Kryolith-Schmelzen mit Fluorid-Stäuben.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Muskel-Skelett-Erkrankungen, Osteoporose, gastrointestinale Symptome, respiratorische Beschwerden, Zahn- und Knochenbeschwerden, Nierensymptomatik, Medikamentenanamnese (insbesondere Bisphosphonate, Vitamin-D-Präparate). Berufsanamnese: Aluminium-, Glas-, Halbleiter- und Chemieindustrie, Fluoreinsatz in Ätzverfahren und HF-Anwendungen
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Körperstatus, Inspektion Haut/Zähne | Zahnfluorose, Hautverätzungen |
| Spirometrie | Atemwegs-Funktion |
| Röntgen Becken/Wirbelsäule nur bei rechtfertigender Indikation | Skelettfluorose-Diagnostik |
| Fluorid im Urin (Standard; BGW 4 mg/l am Schichtende) | Innere Belastung |
| Calcium, Phosphat, AP | Knochen-Stoffwechsel |
HF-Verätzung: Sofortige Spülung mit reichlich Wasser (mindestens 15 Minuten), anschließend Calciumgluconat-Gel 2,5 % topisch. Bei tiefergehenden Verbrennungen zusätzlich subkutane Infiltration oder intravenöse Gabe von Calciumgluconat 10 % nach ärztlicher Anordnung. Jede HF-Verbrennung ist ein Notfall wegen drohender systemischer Hypocalcämie mit Herzrhythmusstörungen — sofortige klinische Vorstellung erforderlich.
Fristen (AMR 2.1)
Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 12 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je nach Exposition; Anlass-Vorsorge nach Unfall.
4. Beurteilung & IAAI in der Praxis
- Schwere Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma) — differenzierte Bewertung
- Niereninsuffizienz — Fluorid-Ausscheidung beeinträchtigt
- Knochen-/Stoffwechsel-Erkrankungen — M. Paget, Hyperparathyreoidismus
IAAI-Praxis: Spirometrie und Biomonitoring vor Ort, Röntgen-Indikation begründet. Notfall-Schulung HF-Verätzung bei Erstvorsorge. Termine in unserer digitalen Vorsorgekartei dokumentiert.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht die Fluor-Vorsorge?
Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann, typisch bei Hartverchromung mit Flusssäure, Glas-/Halbleiter-Ätzung, Aluminiumelektrolyse. Sonst Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Wie oft?
Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 12 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je nach Exposition.
Was bei HF-Spritzer?
Sofort mit reichlich Wasser spülen, Calciumgluconat-Gel, Notruf. Calcium-Spiegel monitoren.
Was misst Biomonitoring?
Fluorid im Urin am Schichtende; Beurteilungsmaßstab ist der BGW nach TRGS 903.
BK 1308 anerkannt?
Nach BK-Verfahren mit gesicherter Fluor-Exposition und Skelettfluorose, Zahnfluorose oder Atemwegserkrankung.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.


6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 905)
- BKV Anlage 1, BK 1308
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH