Gefahrstoffe · DGUV-Empfehlung

G44-Untersuchung: Vorsorge bei Hartholzstaub

Auf einen Blick: Pflichtvorsorge nur bei Tätigkeiten mit Eichen-, Buchen- und anderen Hartholzstäuben-Exposition, wenn der AGW von 2 mg/m³ nach TRGS 900 nicht eingehalten wird. Angebotsvorsorge bei: Hartholzstaub-Exposition unterhalb des AGW; Exposition gegenüber atemwegs- oder hautsensibilisierend wirkenden Holzstäuben (z. B. Abachi, Limba, Rotzeder, Eiche). Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende über das Meldeportal DGUV Vorsorge.
Fokus: Adenokarzinom der Nasennebenhöhlen als Berufskrankheit BK 4203. Spätlatenz oft 30+ Jahre.
Johannes F. Angerer · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst · Aktualisiert 30. April 2026 · 11 Min Lesezeit

„Pflichtvorsorge nur bei Tätigkeiten mit Eichen-, Buchen- und anderen Hartholzstäuben-Exposition, wenn der AGW von 2 mg/m³ nach TRGS 900 nicht eingehalten wird. Bei Einhaltung des AGW gilt — abweichend von der allgemeinen CMR-Regel — Angebotsvorsorge.

— DGUV-Empfehlung

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Fristen der Vorsorge
Erste Vorsorge
innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Zweite Vorsorge
spätestens zwölf Monate nach Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 2 Buchst. c); bei Exposition gegenüber atemwegs- oder hautsensibilisierenden Holzstäuben spätestens sechs Monate (Buchst. a)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)
Nachgehende Vorsorge
nach Ende der Tätigkeit anzubieten, jeweils spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3, § 5 Abs. 3 ArbMedVV)
Die Fristen sind Höchstfristen. Der Arzt oder die Ärztin kann kürzere Fristen festlegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht notwendig ist (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 4).

1. Worum geht es bei der Hartholzstaub-Vorsorge?

Hartholzstäube von Eiche, Buche und anderen Hartholzarten sind krebserzeugend Kategorie 1A. Wichtigstes Krankheitsbild: Adenokarzinom der inneren Nase und Nasennebenhöhlen (BK 4203). Pflichtvorsorge bei Exposition oberhalb des AGW (2 mg/m³ nach TRGS 900); Angebotsvorsorge bei niedrigerer Exposition; nachgehende Vorsorge nach Beendigung der Tätigkeit, wegen der langen Latenzzeit über viele Jahre.

2. Branchen-Schlaglicht

Top-3-Branchen aus IAAI-Sicht

  1. Schreinerei / Tischlerei — Sägen, Fräsen, Schleifen von Eiche/Buche.
  2. Holzindustrie / Spanplattenwerke — Aufschluss, Pressen, Konfektionierung.
  3. Bau / Innenausbau / Restaurator — Parkett, Treppen, Antiquitäten.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Holzart, Schleif-Tage/Woche, Absaugung, Atemschutz, Symptome (einseitige Nasenobstruktion, blutige Sekretion, Riechstörungen).
‍Untersuchung: körperliche Untersuchung nach ärztlichem Ermessen mit Fokus auf Nasen-/Nasennebenhöhlen-Symptomatik (Behinderung Nasenatmung, vermehrte Sekretabsonderung, Nasenbluten, Geruchsstörung, Augensymptome wie Exophthalmus oder Doppelbilder, Husten, Atemnot, Auswurf).
‍
Bei klinischem Verdacht: Überweisung zur fachärztlichen HNO-Diagnostik mit Endoskopie und CT/MRT der Nasennebenhöhlen. Biomonitoring entfällt.

UntersuchungZweck
HNO-Inspektion (Anterior-Rhinoskopie)Polypen, Blutungsquellen, einseitige Massen
SpirometrieAtemwegs-Funktion
Bei Verdacht: HNO-Konsil mit Endoskopie + BildgebungAdenokarzinom-Verdachtsabklärung
Inspektion HautSensibilisierung, Holz-Allergene
Wichtig: Einseitige Nasenobstruktion oder blutige Sekretion bei Hartholzarbeitern — bis zum Beweis des Gegenteils Adenokarzinom-verdächtig. Sofortige HNO-Diagnostik mit Endoskopie und CT/MRT.

Fristen (AMR 2.1)

Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, weitere spätestens alle 36 Monate. Nachgehende Vorsorge nach Aufgabe der Tätigkeit spätestens alle 36 Monate, wegen der langen Latenzzeit des Adenokarzinoms über viele Jahre.

4. IAAI in der Praxis

  • HNO-Anbindung für Endoskopie und ggf. CT/MRT bei Verdacht.
  • Schulung Atemschutz (Halbmaske P2/P3, Vollmaske bei hoher Exposition).
  • Anmeldung über das Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) für nachgehende Vorsorge.
  • Nachgehende-Vorsorge-Kartei in unserer digitalen Vorsorgekartei — 30+ Jahre Aufbewahrung organisiert.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Welche Hölzer zählen als Hartholz?

Hartholzstäube gelten als krebserzeugend; am besten belegt ist das Risiko für Eiche und Buche (BK 4203). Andere Harthol­zarten (Esche, Ahorn, exotische Tropenhölzer) je nach TRGS 553 in der Risikoeinstufung.

Was ist nachgehende Vorsorge?

Vorsorgeuntersuchungen nach Aufgabe der Tätigkeit. Bei Hartholzstaub: spätestens alle 36 Monate, wegen der langen Latenzzeit des Adenokarzinoms über viele Jahre. Der Arbeitgeber muss nachgehende Vorsorge anbieten; nur mit Einwilligung der Person kann er sie an den Unfallversicherungsträger übertragen (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).

Was ist BK 4203?

Adenokarzinom der inneren Nase und Nasennebenhöhlen durch Eichen- und Buchenholzstaub. Anerkannte Berufskrankheit.

Wie oft Vorsorge?

Vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten (bei sensibilisierenden Holzstäuben nach sechs Monaten), weitere spätestens alle 36 Monate je nach Exposition. Nachgehend alle 3 Jahre nach Berufsende.

Welche Schutzmaßnahmen sind Pflicht?

Quellnahe Absaugung an allen Maschinen (TRGS 553), regelmäßige Wartung, Atemschutz P2/P3 bei nicht-eliminierbarer Exposition.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG. Nachgehende Vorsorge muss der Arbeitgeber anbieten; nur mit Einwilligung der Person kann er sie an den Unfallversicherungsträger übertragen (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).

6. Quellen

  • DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
  • TRGS 900 (Arbeitsplatzgrenzwerte), TRGS 553 (Holzstaub); ArbMedVV; GefStoffV
  • BKV Anlage 1, BK 4203
    BK 4301 Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie)
    BK 5101 Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

HNO-Ärztin bei der endoskopischen Inspektion der Nasenhöhle eines Patienten mit flexiblem Endoskop in einer arbeitsmedizinischen Praxis
Endoskopische Inspektion der inneren Nase als Kerninhalt der Hartholzstaub-Vorsorge.
Industrielles Sägewerk mit großer Bandsäge zur Buchenholzbearbeitung mit Absauganlage
Industrielles Sägewerk mit Buchenholzbearbeitung und Absauganlage.
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G44-Untersuchung auf einen Blick

Die G44-Untersuchung ist die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV für Beschäftigte, die Staub von Eiche, Buche und anderen Harthölzern einatmen, etwa in Tischlereien, im Parkett- und Treppenbau oder in der Holzindustrie. Seit 2022 ersetzt die DGUV-Empfehlung den früheren Grundsatz G 44. Ziel ist vor allem, Tumoren der inneren Nase und der Nasennebenhöhlen früh zu erkennen.

ArtPflichtvorsorge, wenn der Grenzwert von 2 mg/m³ nicht eingehalten wird, sonst Angebotsvorsorge; nachgehende Vorsorge
RechtsgrundlageArbMedVV Anhang Teil 1 Abs. 1 Nr. 1 (Pflicht) und Abs. 2 Nr. 1 (Angebot); nachgehende Vorsorge § 5 Abs. 3 ArbMedVV
Für wenTischlereien und Schreinereien, Holzindustrie, Innenausbau, Restaurierung
Fristvor Aufnahme der Tätigkeit, zweite spätestens nach 12 Monaten (bei sensibilisierenden Holzstäuben nach 6 Monaten), dann spätestens alle 36 Monate (AMR 2.1)
Kostenträgt der Arbeitgeber (§ 3 Abs. 3 ArbSchG)
Wer untersuchtFacharzt für Arbeitsmedizin oder Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV)

Muss ich an der Holzstaub-Vorsorge teilnehmen?

  • Pflichtvorsorge: Die Teilnahme am Termin ist Voraussetzung für die Tätigkeit (§ 4 Abs. 2 ArbMedVV). Pflicht ist das Beratungsgespräch. Eine Untersuchung der Nase oder eine Spirometrie können Sie ablehnen.
  • Angebotsvorsorge: Die Teilnahme ist freiwillig. Der Arbeitgeber muss die Vorsorge aber regelmäßig erneut anbieten, auch wenn Sie einmal abgelehnt haben.
  • Nachgehende Vorsorge: Hartholzstaub ist krebserzeugend. Nach dem Ausscheiden muss Ihnen der Arbeitgeber weiter Vorsorge anbieten. Mit Ihrer Einwilligung kann er diese Aufgabe an den Unfallversicherungsträger übertragen (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).

Der Arbeitgeber erhält nur eine Vorsorgebescheinigung mit Datum, Anlass und nächstem Termin. Befunde bleiben unter ärztlicher Schweigepflicht.

Wer führt die Vorsorge nach G 44 durch?

Nur ein Facharzt für Arbeitsmedizin oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV). Ein Hausarzt darf die Vorsorge nur übernehmen, wenn er eine dieser Qualifikationen hat. Ist ein Betriebsarzt bestellt, soll der Arbeitgeber vorrangig ihn beauftragen (§ 3 Abs. 2 ArbMedVV). Er kennt Maschinen, Absaugung und Holzarten im Betrieb. Bei Verdacht überweist er zur HNO-ärztlichen Abklärung. Bringen Sie Bescheinigungen früherer Vorsorgen und vorhandene HNO-Befunde mit, damit Veränderungen über die Jahre erkennbar sind.

Die IAAI führt die Hartholzstaub-Vorsorge bundesweit durch, vor Ort im Betrieb oder in der Praxis. Angebot anfordern

Was wird bei der G44-Untersuchung gemacht?

Bei der G44-Untersuchung stehen ein Beratungsgespräch und Fragen nach Beschwerden an Nase und Nasennebenhöhlen im Mittelpunkt, etwa einseitig verstopfte Nase, Nasenbluten oder Riechstörungen. Je nach Befund untersucht der Arzt die Nase und prüft die Lungenfunktion. Bei Verdacht veranlasst er eine HNO-ärztliche Abklärung mit Endoskopie und Bildgebung.

Soll ich mit Nasenbeschwerden bis zum nächsten Termin warten?

Nein, anhaltende Beschwerden wie eine einseitig verstopfte Nase oder blutiges Sekret sollten Sie zeitnah abklären lassen. Sie können beim Arbeitgeber jederzeit eine Wunschvorsorge verlangen (§ 5a ArbMedVV) oder direkt einen HNO-Arzt aufsuchen.

Gilt der Grundsatz G 44 noch?

Nein, die DGUV hat den Grundsatz G 44 2022 durch die DGUV-Empfehlung ersetzt. Die Nummer G 44 ist im Betriebsalltag weiter üblich. Die Pflicht zur Vorsorge ergibt sich nicht aus der DGUV-Empfehlung, sondern aus der ArbMedVV.

Findet die Vorsorge während der Arbeitszeit statt?

Ja, in der Regel: Nach § 3 Abs. 3 ArbMedVV soll arbeitsmedizinische Vorsorge während der Arbeitszeit stattfinden. Die Kosten trägt der Arbeitgeber (§ 3 Abs. 3 ArbSchG).