Auf einen Blick
Die DGUV-Empfehlung gilt ausschließlich für Tätigkeiten mit extremer Kältebelastung (≤ -25 °C), z. B. in Tiefkühlräumen, Gefriertrocknungsanlagen und Tieftemperaturversuchskammern. Für Tätigkeiten in milderen Kältebereichen (Kühl-, Kühllager-, Frost-, Tiefkühlbereich bis -25 °C) gilt die ASR A3.5 für die Gefährdungsbeurteilung; eine ArbMedVV-Pflichtvorsorge ist hier nicht vorgesehen.
Schutzziele: Prävention akuter Schäden (Erfrierungen, Hypothermie), chronischer vasospastischer Erkrankungen (Raynaud-Syndrom) und kardiovaskulärer Dekompensationen.


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1. Was ist Kältearbeit?
Kältearbeit liegt vor, wenn Beschäftigte bei niedrigen Temperaturen tätig sind, etwa in Kühl- und Tiefkühlhäusern oder im Freien während der kalten Jahreszeit. Eine Pflichtvorsorge nach der ArbMedVV ist bei Tätigkeiten mit extremer Kältebelastung von minus 25 °C und kälter vorgeschrieben. Grundlage für Beratung und Untersuchung ist die DGUV-Empfehlung.
2. Rechtsgrundlage
- ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 2 (extreme Kältebelastung, minus 25 °C und kälter)
- ArbStättV; ASR A3.5 — Raumtemperatur (Mindestwerte je Tätigkeit)
- BKV: entfällt. Eine durch reine Kälteexposition ausgelöste Erkrankung ist nicht als Berufskrankheit anerkannt. BK 2103 und BK 2104 betreffen vibrationsbedingte Erkrankungen und fallen unter eine andere DGUV-Empfehlung.
3. Vorsorgeanlässe
Pflichtvorsorge: bei Tätigkeiten mit extremer Kältebelastung (≤ -25 °C)
Angebotsvorsorge: entfällt
Wunschvorsorge: auf Wunsch der versicherten Person
4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

4.1 Branchen
- Tiefkühllogistik, Kühlhäuser, Lebensmittelversand
- Fleisch-, Fisch-, Geflügel-, Molkerei-, Bäckereien
- Forschung mit Tiefkühltechnik / Kryogenie
- Außenarbeitsplätze im Winter (Bau, Forst, Landwirtschaft, Postzustellung, Straßenwartung): keine Pflichtvorsorge, solange nicht minus 25 °C und kälter erreicht werden; Schutzmaßnahmen über die Gefährdungsbeurteilung
4.2 Krankheitsbild
Akut: Lokale Erfrierungen (Finger, Zehen, Nase, Ohren), Hypothermie. Chronisch: Raynaud-Syndrom (vasospastische Anfälle, Weiß-/Blau-/Rot-Verfärbung der Finger), Akrozyanose (bläuliche Verfärbung der Akren — Finger, Zehen, Nase — durch Durchblutungsstörung), Frostbeulen (Pernio), kardiovaskuläre Dekompensation bei Vorerkrankungen, vermehrte Atemwegsinfekte.
5. Untersuchungsumfang
Klinische Untersuchungen Erstuntersuchung: Urinstatus, Nüchtern-Blutzucker, Blutbild, Transaminasen, Kreatinin, Ruhe-EKG.
Ergänzend nach ärztlichem Ermessen: Ergometrie, Lungenfunktionsprüfung.
Allen-Test und Kälteprovokationstest sind nicht Bestandteil des DGUV-Standards, können aber bei Raynaud-Verdacht ergänzt werden
6. Beurteilung
Vier-Stufen-Beurteilung. Besonders zu berücksichtigen sind: Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Erkrankungen der Atmungsorgane, Erkrankungen des Blutes, Erkrankungen der Haut (mit Durchblutungseinfluss), Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege, Rheumatischer Formenkreis (M. Raynaud), Erkrankungen des äußeren Auges (Sicca, Pterygium, voroperierte Augen — augenärztliches Konsil erforderlich), Kälteüberempfindlichkeit (Kälteurticaria, Kältehämoglobinurie), Anfallsleiden (Bezug DGUV Information 250-001), Erkrankungen ZNS/PNS mit Funktionsstörungen, Alkohol-, Suchtmittel-, Medikamentenabhängigkeit
7. Praxistipps für Unternehmen
- Kälteschutzkleidung. Schichtenprinzip; geprüfte Tiefkühlanzüge nach EN 342, Kälteschutzhandschuhe nach EN 511.
- Sehhilfe: Trageverbot weicher Kontaktlinsen bei extremer Kälte
- Aufwärmraum. Klimatisiert auf min. +21 °C; warme Getränke verfügbar.
- Akklimatisation. Neue Mitarbeiter über mehrere Tage langsam an Kälte gewöhnen.
- Trinken nicht vergessen. Auch bei Kälte 1,5–2 L/Tag (warme Getränke).
- Notfallorganisation. Hypothermie- und Erfrierungs-Erstmaßnahmen, schnelle Erkennung Raynaud-Anfälle.
- Schwangerschaftsschutz. Bei Tiefkühl-Bereichen Wechsel auf nicht-exponierte Tätigkeit — § 11 MuSchG.
FAQ
Wann ist Pflichtvorsorge bei Kälte zwingend?
Bei Tätigkeiten mit extremer Kältebelastung ab -25 °C (ArbMedVV Anhang Teil 3). Für mildere Kältebereiche sieht die ArbMedVV keine Pflichtvorsorge vor.
Was ist das Raynaud-Syndrom?
Vasospastische Anfälle der Fingerarterien mit charakteristischer Drei-Phasen-Verfärbung (weiß, blau, rot). Eine durch reine Kälteexposition ausgelöste Erkrankung ist nicht als Berufskrankheit anerkannt. Die BK 2103 und BK 2104 betreffen vibrationsbedingte Erkrankungen und fallen unter eine andere DGUV-Empfehlung.
Welche Kälteschutzkleidung ist Pflicht?
Tiefkühlanzug nach EN 342 (Schutz vor Kälte und Wind), Kälteschutzhandschuhe nach EN 511, Sicherheitsschuhe Klasse mit Isolierung, Kälteschutzmütze.
Wie ist das Pausenregime?
Die DGUV-Empfehlung führt keine konkreten Pausenintervalle. Aufwärmpausen legt der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung fest.
Was tun bei Erfrierung?
Sofort warmen Aufwärmraum aufsuchen. Erfrorenes Areal NICHT reiben! Langsam erwärmen mit lauwarmem Wasser (37–39 °C). Bei tiefer Erfrierung: Notarzt.
Quellen
- DGUV Empfehlung „Kältearbeiten“
- ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 2; ArbStättV; ASR A3.5
- EN 342 (Kälteschutzkleidung), EN 511 (Kälteschutzhandschuhe)
- DGUV Information 213-002
Weiterführende Informationen
Unsere Leistungen
IAAI — wir setzen die Kältearbeiten-Vorsorge für Sie um
Wir betreuen Tiefkühllogistik, Lebensmittelproduktion, Kühlhäuser und Außenarbeitsbetriebe bundesweit. Erstberatung, kardiovaskuläre Vorsorge mit EKG, Raynaud-Diagnostik, Kälteschutz-Konzepte.
Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.