Gefahrstoffe · DGUV-Empfehlung · Fassung Januar 2022

G7-Untersuchung: Vorsorge bei Kohlenmonoxid am Arbeitsplatz

Auf einen Blick: Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge bei CO-Exposition. Hauptrisiko: akute CO-Vergiftung (geruchlos, tödlich), kardiale Spätfolgen, neurologische Schäden. CO-Hb-Biomonitoring, BK 1201.
Johannes F. Angerer · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst · Aktualisiert 30. April 2026 · 12 Min Lesezeit

Kohlenmonoxid bindet 200–300-fach stärker an Hämoglobin als Sauerstoff; ab 50 % CO-Hb besteht akute Lebensgefahr.

— Zusammenfassung IAAI, Grundlage: DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen

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Fristen der Vorsorge
Erste Vorsorge
innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Zweite Vorsorge
spätestens zwölf Monate nach Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 2 Buchst. c)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)
Die Fristen sind Höchstfristen. Der Arzt oder die Ärztin kann kürzere Fristen festlegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht notwendig ist (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 4).

1. Worum geht es?

Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei unvollständiger Verbrennung kohlenstoffhaltiger Stoffe. Geruch- und farblos, ohne Reizwirkung. Bindet 200–300 mal stärker an Hämoglobin als Sauerstoff — dadurch innere Erstickung. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung, Angebots-/Wunschvorsorge bei niedrigerer Exposition. BK 1201 (Erkrankungen durch Kohlenmonoxid).

2. Branchen

Top-3-Branchen

  1. Stahlwerke / Eisengießerei — Hochofen, Schmelzofen.
  2. Werkstatt / Tiefgarage / KFZ-Reparatur — Abgase verbrennungsmotorbetriebener Fahrzeuge.
  3. Heizung / Sanitär / Schornsteinfeger — Brennstoffzufuhr, Abgasanlagen.

3. Untersuchungsumfang

Anamnese: Kopfschmerz, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen am Arbeitsende; bei Rauchern erhöhter Basis-CO-Hb.

UntersuchungZweck
CO-Hb im Blut (Schichtende, Biomonitoring)Innere Belastung, BGW nach TRGS 903
EKG; ggf. Belastungs-EKGKardiale CO-Folgen
SpirometrieLungenfunktion
Blutbild, Glucose, KreatininStoffwechsel, Sekundärfolgen
Neurologische AnamneseVerzögerte ZNS-Spätfolgen
Notfall CO-Vergiftung: Sofort Frischluft, 100 %-Sauerstoff per Nicht-Rückatmungs-Maske, ggf. hyperbare Sauerstofftherapie (Druckkammer). Bei Bewusstlosigkeit Reanimation.

Fristen

Erste Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1); nach einer Vergiftung unverzüglich Angebotsvorsorge (§ 5 Abs. 2 ArbMedVV).

4. IAAI in der Praxis

  • CO-Hb-Bestimmung im Vollblut am Expositions- bzw. Schichtende (BGW 5 %, TRGS 903); ein Pulsoxymeter mit CO-Hb-Modus dient nur der Orientierung.
  • EKG vor Ort, ggf. Belastungs-EKG.
  • Schulung Notfall-Erkennung und Erste Hilfe bei CO-Vergiftung.
  • Beratung zu CO-Warngeräten am Arbeitsplatz.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht CO-Vorsorge?

Stahlwerke, Kfz-Werkstätten/Tiefgaragen, Schornsteinfeger, Heizung-/Sanitärbetriebe mit nachweislicher CO-Exposition.

Wie hoch ist normaler CO-Hb?

Nichtraucher: < 1,5 %; Raucher 5–10 %. Arbeitsmedizinisch problematisch: > 5 % bei Nichtrauchern; bei Rauchern ist CO-Hb als Expositionsmarker nur eingeschränkt verwertbar.

Was tun bei akuter CO-Vergiftung?

Frischluft, 100 %-Sauerstoff, ggf. hyperbare Sauerstofftherapie (Druckkammer); Notarzt rufen.

Spätfolgen?

Verzögerte neurologische Schäden, kardiale Folgen, kognitive Einschränkungen. Nachuntersuchung nach 4–6 Wochen empfohlen.

BK 1201?

Erkrankungen durch Kohlenmonoxid — nach gesicherter beruflicher Exposition und CO-bedingter Erkrankung.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen, Fassung Januar 2022
  • ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900)
  • BKV Anlage 1, BK 1201
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

Betriebsärztin führt CO-Hb-Bestimmung mittels CO-Oxymeter und Pulsoxymetrie durch
CO-Hämoglobin-Bestimmung am Schichtende — Kernparameter der CO-Vorsorge.
Tunnelbauer mit umluftunabhängigem Atemschutz und tragbarem CO-Warner im Tunnelvortrieb
CO-Warner und Atemschutz im Tunnelvortrieb — typische untertägige CO-Exposition.
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G7-Untersuchung auf einen Blick

Die G7-Untersuchung ist die arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV für Beschäftigte, die Kohlenmonoxid aus Verbrennungsprozessen oder Motorabgasen einatmen können, etwa in Stahlwerken, Kfz-Werkstätten oder bei Arbeiten an Heizungs- und Abgasanlagen. Den früheren DGUV-Grundsatz G 7 hat 2022 die DGUV-Empfehlung „Kohlenmonoxid“ abgelöst, die G-Nummer ist umgangssprachlich geblieben.

ArtPflichtvorsorge, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten wird; sonst Angebotsvorsorge bei möglicher Exposition
RechtsgrundlageArbMedVV Anhang Teil 1 (Gefahrstoffe), Fristen nach AMR 2.1
Für wenStahlwerk, Gießerei, Werkstatt, Tiefgarage, Heizung, Schornsteinfeger
Fristvor Beginn, spätestens nach 12 Monaten, dann spätestens alle 36 Monate
Kostenträgt der Arbeitgeber (§ 3 Abs. 3 ArbSchG)
Wer darf untersuchenFacharzt für Arbeitsmedizin oder Arzt mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin

Ist die G7-Untersuchung Pflicht?

Grundlage ist die Gefährdungsbeurteilung mit Messungen oder einer Abschätzung der CO-Belastung. Wird der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehalten, ist es Pflichtvorsorge: Der Arbeitgeber muss sie veranlassen, und die Tätigkeit darf erst danach beginnen (§ 4 ArbMedVV). Ist eine Exposition möglich, der Grenzwert aber eingehalten, muss er Angebotsvorsorge anbieten.

  • Bei Pflichtvorsorge ist das ärztliche Beratungsgespräch verbindlich.
  • Untersuchungen wie EKG oder Blutentnahme erfolgen nur, wenn Sie nicht widersprechen.
  • Ändern sich Abläufe, Lüftung oder Fahrzeuge, muss die Gefährdungsbeurteilung und damit die Einstufung neu geprüft werden.

Was erfährt der Arbeitgeber nach der Vorsorge?

Nur das, was in der Vorsorgebescheinigung steht: Datum, Anlass und nächster Termin. Ihr CO-Hb-Wert, Ihr EKG und auch die Frage, ob Sie rauchen, bleiben beim Arzt. Ergibt die Vorsorge Hinweise, dass Lüftung oder Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, teilt der Arzt dies dem Arbeitgeber mit, ohne persönliche Befunde zu nennen.

Für Beschäftigte mit Herzerkrankungen ist die Beratung besonders wichtig, weil Kohlenmonoxid die Sauerstoffversorgung des Herzens zusätzlich belastet. Der Arzt bespricht mit Ihnen, ob Sie besondere Vorsicht brauchen.

Durchführen darf die Vorsorge ein Facharzt für Arbeitsmedizin oder ein Arzt mit Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin (§ 7 ArbMedVV), der Hausarzt also nur mit dieser Qualifikation. IAAI übernimmt die CO-Vorsorge bundesweit, im Betrieb oder in der Praxis. Angebot anfordern

Was ist die G7-Untersuchung?

Die G7-Untersuchung ist die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Kohlenmonoxid. Grundlage ist die ArbMedVV, inhaltlich orientiert sich der Arzt an der DGUV-Empfehlung „Kohlenmonoxid“, die 2022 den Grundsatz G 7 abgelöst hat.

Was wird bei der G7-Untersuchung gemacht?

Der Arzt berät Sie zu Vergiftungszeichen und Schutzmaßnahmen, fragt nach Beschwerden wie Kopfschmerz oder Herzproblemen und bietet je nach Bedarf ein EKG und die Bestimmung des CO-Hb-Werts an. Das Beratungsgespräch ist bei Pflichtvorsorge verbindlich. Untersuchungen erfolgen nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 ArbMedVV nur, wenn Sie sie nicht ablehnen.

Muss ich mir für die Vorsorge Blut abnehmen lassen?

Nein, eine Blutentnahme ist freiwillig, denn Biomonitoring darf nach § 6 Abs. 2 ArbMedVV nicht gegen Ihren Willen erfolgen. Der Biologische Grenzwert von 5 % CO-Hb nach TRGS 903 bezieht sich auf eine Blutprobe am Ende der Exposition oder Schicht. Ein Messgerät am Finger liefert nur einen Orientierungswert. Der Arzt bespricht mit Ihnen, welche Messung sinnvoll ist.

Gilt die Vorsorge auch in Hallen mit Gabelstaplern?

Ja, wenn die Gefährdungsbeurteilung eine relevante Belastung durch Kohlenmonoxid ergibt. Typische Quellen sind Stapler und Maschinen mit Verbrennungsmotor, zum Beispiel mit Treibgasantrieb, in schlecht belüfteten Hallen. Elektrostapler erzeugen kein Kohlenmonoxid.