Gefahrstoffe · E KEG · Fassung Januar 2022

Krebserzeugende und keimzellmutagene Gefahrstoffe (CMR) — Vorsorge G 40 (E KEG)

Auf einen Blick: Pflicht-, Angebots- und nachgehende Vorsorge bei CMR-Stoffen Kategorie 1A/1B. Substitutionspflicht, TRGS 905/910 (Risikokonzept), ZAS-Erfassung. Lange Latenzzeiten erfordern Lebenslang-Vorsorge.
Dr.med. Fabian Wengler · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst der IAAI · Aktualisiert 21.Juni 2026 · 13 Min Lesezeit

„Der Unternehmer hat die Beschaffenheit der CMR-Stoffe so zu wählen, dass eine Substitution möglich ist, oder andernfalls geschlossene Systeme zu verwenden.“

— DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022, S. 533
Fristen der Vorsorgen
Erste Vorsorge
vor Aufnahme der Tätigkeitinnerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)Kürzere Fristen sind zulässig und vom Arzt oder der Ärztin festzulegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht erforderlich ist. Für Wunschvorsorgen gibt es keine vorgegebenen Fristen.
Maßgeblich ist die arbeitsmedizinische Festlegung des Betriebsarztes; Bei Auffälligkeiten verkürzte Fristen nach ärztlichem Ermessen.

1. Worum geht es?

CMR-Stoffe (Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic) sind nach CLP-Verordnung in Kategorie 1A/1B/2 eingestuft. Bei Kategorie 1A/1B greift hochgradige Substitutionspflicht (GefStoffV), TRGS 905 (Verzeichnis), TRGS 910 (Risikokonzept Akzeptanzkonzentration AK / Toleranzkonzentration TK).

Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit einem im ArbMedVV-Anhang namentlich genannten CMR-1A/1B-Stoff, wenn: der AGW nicht eingehalten wird, eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann, oder der Stoff hautresorptiv ist und Hautkontaktnicht ausgeschlossen werden kann. Angebotsvorsorge im ArbMedVV-Anhang genannten Stoffen, wenn Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und kein ePflichtvorsorge greift; nicht im Anhang genannten CMR-1A/1B-Stoffen bei nicht ausschließbarer wiederholter Exposition.
Nachgehende Vorsorge als besondere Form der Angebotsvorsorge nach Tätigkeitsende nach Aufgabe der Tätigkeit (Erfassung in GVS = gemeinsames Vorsorge-System), oft über 30+ Jahre wegen Latenzzeiten.

2. CMR-Stoffe nach Kategorien

KategorieBedeutungBeispiele
Carc 1ABekannt krebserzeugend für MenschenAsbest, Benzol, Vinylchlorid, Arsen
Carc 1BSehr wahrscheinlich krebserzeugendCadmium, Chrom-VI, Nickel-Verbindungen
Muta 1A/1BKeimzellmutagenBestimmte Aromaten, Alkyl-Verbindungen
Repr 1A/1BReproduktionstoxischBleitetraethyl, NMP

Branchen mit hohem CMR-Risiko

  1. Chemische Industrie (Synthese, Konfektionierung)
  2. Forschungslabore (Universitäten, Pharma-F&E)
  3. Galvanik / Metallindustrie

3. Untersuchungsumfang & nachgehende Vorsorge

Anamnese: Konkrete CMR-Stoffe, Tagesexposition, kollektive Schutzmaßnahmen, frühere Expositionen, Krebserkrankungen Familie.

Untersuchung: Stoff-spezifisch (z. B. Lungenfunktionsmessung (Spirometrie) und mikroskopische Untersuchung des Auswurfs (Sputumzytologie) bei Stoffen mit Wirkung auf die Lunge, bei Lungenkanzerogenen, Biomonitoring bei resorptiven Stoffen, Inspektion Haut bei Kontakt-CMR).
Früherkennungsuntersuchung typisch in der nachgehenden Vorsorge. 

ZAS-Pflicht: Jede Exposition gegenüber CMR-Stoffen 1A/1B muss im gemeinsamen Vorsorge-System der DGUV registriert werden. Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende: Anmeldung über das DGUV-Vorsorge-Portal (www.dguv-vorsorge.de). Ermöglicht nachgehende Vorsorge auch Jahrzehnte nach Tätigkeitsende.-

Fristen

4. IAAI in der Praxis

  • GVS-Eintragung jeder relevanten CMR-Exposition
  • Stoff-spezifische Diagnostik je nach Anlage 1 ArbMedVV (Biomonitoring, Spirometrie, Sputum, Hautinspektion).
  • Nachgehende-Vorsorge-Kartei in unserer digitalen Vorsorgekartei — 30+ Jahre Vorhaltung organisiert.
  • Substitutionsberatung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Was ist CMR?

Carcinogenic, Mutagenic, Reprotoxic — Stoffe nach CLP-Verordnung mit Krebs-, Erbgut- oder Reproduktionsrisiko.

Was ist ZAS?

Zentrale Expositionsdatenbank der DGUV. Pflichteintragung für CMR-1A/1B-Expositionen, ermöglicht nachgehende Vorsorge nach Berufsende.

Wie lange nachgehende Vorsorge?

Je nach Stoff 30+ Jahre, finanziert durch BG. Bei manchen Stoffen lebenslang.

Substitutionspflicht?

Bei Carc 1A/1B muss der Unternehmer prüfen, ob ein weniger gefährlicher Ersatzstoff verfügbar ist. Dokumentation in der Gefährdungsbeurteilung.

TRGS 910 Risikokonzept?

Akzeptanz- und Toleranzkonzentration für krebserzeugende Stoffe. Unter AK = niedriges Risiko, über TK = unzulässig hohes Risiko.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die Berufsgenossenschaft für nachgehende Vorsorge.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E KEG, Fassung Januar 2022
  • GefStoffV; TRGS 905 (Verzeichnis); TRGS 910 (Risikokonzept)
  • CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008
  • BK 1110, 1307, 1310, 1311, 1319, 1320, 4116; ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3, AMR 11.1

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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