Auf einen Blick
Künstliche optische Strahlung umfasst UV (100–400 nm), sichtbares Licht (380–780 nm), IR (780 nm–1 mm) und Laser. Schwerpunkt-Quellen: Schweißen (UV-A/B/C, sichtbares Licht, IR), Laser (Laserschneiden, Laser-Materialbearbeitung, Medizin-Laser), Schmelzen, Glasverarbeitung, IR-Strahler, UV-Härtung. Die Verordnung zum Schutz vor künstlicher optischer Strahlung (OStrV) legt die Expositionsgrenzwerte fest; Pflicht- und Angebotsvorsorge für inkohärente Strahlung regelt die ArbMedVV (Anhang Teil 3). Laserstrahlung ist kein Vorsorgeanlass nach ArbMedVV. Risiken: Augenschädigungen (Photokeratitis, Photoretinitis, Katarakt), Hautschädigungen (Erythem, Photoaging, Hautkrebs).


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1. Was ist die KOS-Vorsorge?
Die Vorsorge bei künstlicher optischer Strahlung (DGUV-Empfehlung) ist die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten, bei denen die Expositionsgrenzwerte der OStrV überschritten werden (Pflichtvorsorge) oder überschritten werden können (Angebotsvorsorge). Schutzziele: Prävention von Augen- und Hautschäden durch UV-, sichtbare und IR-Strahlung (inkohärente Strahlung; Laser ist nicht Gegenstand der Vorsorge nach ArbMedVV).
2. Rechtsgrundlage
- OStrV — Verordnung zum Schutz vor künstlicher optischer Strahlung
- ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6 (Pflichtvorsorge) und Abs. 2 Nr. 3 (Angebotsvorsorge)
- TROS Laserstrahlung, TROS Inkohärente Optische Strahlung
- AMR 2.1 (Fristen), AMR 6.3 (Vorsorgebescheinigung)
- BKV — BK 5103 (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung)
3. Vorsorgeanlässe
Pflichtvorsorge, wenn am Arbeitsplatz die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6).
Angebotsvorsorge, wenn die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden können (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 2 Nr. 3).
4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

4.1 Branchen
- Schweißen, Schneiden, Löten (Metallindustrie)
- Laser-Materialbearbeitung (Schneiden, Schweißen, Markieren, 3D-Druck)
- Medizinische Laser (Augenheilkunde, Dermatologie, Chirurgie)
- Glasverarbeitung, Schmelzen, Gießerei (IR)
- UV-Härtung (Druckindustrie, Beschichtung, Klebstoffe)
- UV-Desinfektion (Wasseraufbereitung, Sterilisation)
- Beleuchtungsindustrie, Filmbeleuchtung
4.2 Krankheitsbild
UV-Exposition: Photokeratitis („Verblitzung“), Photokonjunktivitis, Pterygium, kortikale Katarakt; Hautrotung (Erythem), Photoaging, aktinische Keratose, Plattenepithelkarzinom (BK 5103). Sichtbare Strahlung / Blaulicht: Photoretinitis (photochemische Netzhautschädigung), thermische Netzhautschäden. IR-Exposition: Hornhautverbrennung, Glasbläser-Katarakt. Laser: Klassen 1–4, je nach Klasse Augenschädigung bis zur Erblindung möglich.
5. Untersuchungsumfang
Beratung zu Schutzbrille, Hautschutz, Verhalten in Laserzonen. Anamnese: vorbestehende Augenerkrankungen (Katarakt, Makuladegeneration), Hauterkrankungen (Photodermatosen), Medikamente (Phototoxika). Untersuchung: Visus, Spaltlampenuntersuchung, ggf. Augenhintergrund, Hautinspektion (Hautkrebsfrüherkennung). Bei Laserarbeiten: Funduskontrolle.
6. Beurteilung
Ärztliche Beurteilung nach den Kategorien der DGUV-Empfehlung, ohne Eignungsurteil. Bei Augen- oder Hautveränderungen kann der Arzt kürzere Fristen festlegen oder einen Tätigkeitswechsel empfehlen; dem Arbeitgeber wird ein Tätigkeitswechsel nur mit Einwilligung der beschäftigten Person mitgeteilt (§ 6 Abs. 4 ArbMedVV).
7. Praxistipps für Unternehmen
- Gefährdungsbeurteilung optische Strahlung. Expositionsmessung oder Berechnung; Grenzwerte nach OStrV.
- Substitution. UV-arme Lichtquellen, geringere Laserklassen wo möglich.
- Technische Schutzmaßnahmen. Schweißvorhänge, Laser-Schutzkabinen, Strahlungsschilder, Verriegelungen.
- PSA. Schweißerschutzbrille / -helm (DIN EN 169/175); Laserschutzbrille (DIN EN 207/208) wellenlängenspezifisch; UV-Schutzkleidung; UV-Schutzcreme für Außenexposition.
- Laserschutzbeauftragter. Pflicht ab Klasse 3R; Schulung, Dokumentation.
- Unterweisung jährlich. OStrV, Laserklassen, PSA, Notfallverhalten.
- Hautkrebsfrüherkennung. Jährlicher Hautcheck für UV-exponierte Mitarbeiter.
FAQ
Wann ist Pflichtvorsorge bei künstlicher optischer Strahlung?
Wenn am Arbeitsplatz die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6). Können sie überschritten werden, ist Angebotsvorsorge anzubieten (Abs. 2 Nr. 3).
Was sind die Laserklassen?
Klasse 1 (sicher), 1M, 2 (sichtbar, Lidschlussreflex), 2M, 3R (geringes Risiko), 3B (gefährlich für Auge), 4 (gefährlich für Auge und Haut, Brandgefahr).
Was ist Verblitzung?
Photokeratitis durch UV-Strahlung beim Schweißen — schmerzhafte Hornhautentzündung mit Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheue. Heilt in 24–48h von selbst aus.
Welche Schutzbrille ist Pflicht?
Für Schweißen: DIN EN 169/175 mit passender Filterstufe je nach Verfahren. Für Laser: DIN EN 207/208 mit wellenlängenspezifischer Filterauslegung; Klasse 3B/4 Pflicht.
Was ist BK 5103?
Plattenepithelkarzinome / aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung. Bei künstlicher UV-Exposition ist BK 5103 nicht anwendbar; in Betracht kommt nur eine Anerkennung wie eine Berufskrankheit nach § 9 Abs. 2 SGB VII.
Quellen
- DGUV-Empfehlung „Künstliche optische Strahlung“
- OStrV; ArbMedVV Anhang Teil 3
- TROS Laserstrahlung; TROS Inkohärente Optische Strahlung
- DIN EN 169, 175, 207, 208
- BKV — BK 5103
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Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.