DGUV-Empfehlung

Künstliche optische Strahlung: Arbeitsmedizinische Vorsorge

Pflicht- und Angebotsvorsorge nach ArbMedVV und DGUV-Empfehlung bei Tätigkeiten mit inkohärenter künstlicher optischer Strahlung wie UV-Quellen, IR-Strahlern, sichtbarer Hochleistungsstrahlung. Augenschäden, Hautschäden. Stand April 2026.

Autor: Johannes F. Angerer · Arzt im arbeitsmedizinischen DienstVeröffentlicht: 12. Januar 2025 · Aktualisiert: 5. April 2026 · Lesezeit: 12 Minuten

Auf einen Blick

Künstliche optische Strahlung umfasst UV (100–400 nm), sichtbares Licht (380–780 nm), IR (780 nm–1 mm) und Laser. Schwerpunkt-Quellen: Schweißen (UV-A/B/C, sichtbares Licht, IR), Laser (Laserschneiden, Laser-Materialbearbeitung, Medizin-Laser), Schmelzen, Glasverarbeitung, IR-Strahler, UV-Härtung. Die Verordnung zum Schutz vor künstlicher optischer Strahlung (OStrV) legt die Expositionsgrenzwerte fest; Pflicht- und Angebotsvorsorge für inkohärente Strahlung regelt die ArbMedVV (Anhang Teil 3). Laserstrahlung ist kein Vorsorgeanlass nach ArbMedVV. Risiken: Augenschädigungen (Photokeratitis, Photoretinitis, Katarakt), Hautschädigungen (Erythem, Photoaging, Hautkrebs).

Augenarzt untersucht mit Spaltlampe
Spaltlampenuntersuchung des vorderen Augenabschnitts — KOS-Vorsorge.
Bediener mit Laserschutzbrille an Industrie-Faserlaser
Industrie-Faserlaser-Schneidanlage — typische KOS-Exposition Klasse 4.

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1. Was ist die KOS-Vorsorge?

Die Vorsorge bei künstlicher optischer Strahlung (DGUV-Empfehlung) ist die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten, bei denen die Expositionsgrenzwerte der OStrV überschritten werden (Pflichtvorsorge) oder überschritten werden können (Angebotsvorsorge). Schutzziele: Prävention von Augen- und Hautschäden durch UV-, sichtbare und IR-Strahlung (inkohärente Strahlung; Laser ist nicht Gegenstand der Vorsorge nach ArbMedVV).

2. Rechtsgrundlage

  • OStrV — Verordnung zum Schutz vor künstlicher optischer Strahlung
  • ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6 (Pflichtvorsorge) und Abs. 2 Nr. 3 (Angebotsvorsorge)
  • TROS Laserstrahlung, TROS Inkohärente Optische Strahlung
  • AMR 2.1 (Fristen), AMR 6.3 (Vorsorgebescheinigung)
  • BKV — BK 5103 (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung)

3. Vorsorgeanlässe

Pflichtvorsorge, wenn am Arbeitsplatz die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6).

Angebotsvorsorge, wenn die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden können (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 2 Nr. 3).

4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

Schweißer in Lederschutzkleidung mit Schweißerhelm und Visier beim Lichtbogenschweißen mit hellem UV-/IR-Funkenflug in einer deutschen Schweißwerkstatt
Lichtbogenschweißen — typische Quelle für UV-, sichtbares Licht- und IR-Exposition.

4.1 Branchen

  • Schweißen, Schneiden, Löten (Metallindustrie)
  • Laser-Materialbearbeitung (Schneiden, Schweißen, Markieren, 3D-Druck)
  • Medizinische Laser (Augenheilkunde, Dermatologie, Chirurgie)
  • Glasverarbeitung, Schmelzen, Gießerei (IR)
  • UV-Härtung (Druckindustrie, Beschichtung, Klebstoffe)
  • UV-Desinfektion (Wasseraufbereitung, Sterilisation)
  • Beleuchtungsindustrie, Filmbeleuchtung

4.2 Krankheitsbild

UV-Exposition: Photokeratitis („Verblitzung“), Photokonjunktivitis, Pterygium, kortikale Katarakt; Hautrotung (Erythem), Photoaging, aktinische Keratose, Plattenepithelkarzinom (BK 5103). Sichtbare Strahlung / Blaulicht: Photoretinitis (photochemische Netzhautschädigung), thermische Netzhautschäden. IR-Exposition: Hornhautverbrennung, Glasbläser-Katarakt. Laser: Klassen 1–4, je nach Klasse Augenschädigung bis zur Erblindung möglich.

Fristen der Vorsorge
Erste Vorsorge
innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Zweite Vorsorge
spätestens zwölf Monate nach Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 2 Buchst. c)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)
Die Fristen sind Höchstfristen. Der Arzt oder die Ärztin kann kürzere Fristen festlegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht notwendig ist (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 4).

5. Untersuchungsumfang

Beratung zu Schutzbrille, Hautschutz, Verhalten in Laserzonen. Anamnese: vorbestehende Augenerkrankungen (Katarakt, Makuladegeneration), Hauterkrankungen (Photodermatosen), Medikamente (Phototoxika). Untersuchung: Visus, Spaltlampenuntersuchung, ggf. Augenhintergrund, Hautinspektion (Hautkrebsfrüherkennung). Bei Laserarbeiten: Funduskontrolle.

6. Beurteilung

Ärztliche Beurteilung nach den Kategorien der DGUV-Empfehlung, ohne Eignungsurteil. Bei Augen- oder Hautveränderungen kann der Arzt kürzere Fristen festlegen oder einen Tätigkeitswechsel empfehlen; dem Arbeitgeber wird ein Tätigkeitswechsel nur mit Einwilligung der beschäftigten Person mitgeteilt (§ 6 Abs. 4 ArbMedVV).

7. Praxistipps für Unternehmen

  1. Gefährdungsbeurteilung optische Strahlung. Expositionsmessung oder Berechnung; Grenzwerte nach OStrV.
  2. Substitution. UV-arme Lichtquellen, geringere Laserklassen wo möglich.
  3. Technische Schutzmaßnahmen. Schweißvorhänge, Laser-Schutzkabinen, Strahlungsschilder, Verriegelungen.
  4. PSA. Schweißerschutzbrille / -helm (DIN EN 169/175); Laserschutzbrille (DIN EN 207/208) wellenlängenspezifisch; UV-Schutzkleidung; UV-Schutzcreme für Außenexposition.
  5. Laserschutzbeauftragter. Pflicht ab Klasse 3R; Schulung, Dokumentation.
  6. Unterweisung jährlich. OStrV, Laserklassen, PSA, Notfallverhalten.
  7. Hautkrebsfrüherkennung. Jährlicher Hautcheck für UV-exponierte Mitarbeiter.

FAQ

Wann ist Pflichtvorsorge bei künstlicher optischer Strahlung?

Wenn am Arbeitsplatz die Expositionsgrenzwerte nach § 6 OStrV überschritten werden (ArbMedVV Anhang Teil 3 Abs. 1 Nr. 6). Können sie überschritten werden, ist Angebotsvorsorge anzubieten (Abs. 2 Nr. 3).

Was sind die Laserklassen?

Klasse 1 (sicher), 1M, 2 (sichtbar, Lidschlussreflex), 2M, 3R (geringes Risiko), 3B (gefährlich für Auge), 4 (gefährlich für Auge und Haut, Brandgefahr).

Was ist Verblitzung?

Photokeratitis durch UV-Strahlung beim Schweißen — schmerzhafte Hornhautentzündung mit Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheue. Heilt in 24–48h von selbst aus.

Welche Schutzbrille ist Pflicht?

Für Schweißen: DIN EN 169/175 mit passender Filterstufe je nach Verfahren. Für Laser: DIN EN 207/208 mit wellenlängenspezifischer Filterauslegung; Klasse 3B/4 Pflicht.

Was ist BK 5103?

Plattenepithelkarzinome / aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung. Bei künstlicher UV-Exposition ist BK 5103 nicht anwendbar; in Betracht kommt nur eine Anerkennung wie eine Berufskrankheit nach § 9 Abs. 2 SGB VII.

Quellen

  • DGUV-Empfehlung „Künstliche optische Strahlung“
  • OStrV; ArbMedVV Anhang Teil 3
  • TROS Laserstrahlung; TROS Inkohärente Optische Strahlung
  • DIN EN 169, 175, 207, 208
  • BKV — BK 5103

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Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.

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