Eignungsbeurteilung für Tätigkeiten in sauerstoffreduzierter Atmosphäre (15–17 Vol-% O₂) zur Brandvermeidung in Rechenzentren, Tiefkühl-Hochregallagern, Archiven, Museen. Spirometrie, Belastungs-EKG, höhenmedizinische Prüfung. Stand April 2026.
– Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst der IAAI ArbeitssicherheitGmbH· Veröffentlicht: 25. Januar 2025 · Aktualisiert: 14. April 2026 ·Lesezeit: 12 Minuten
Auf einen Blick
In sauerstoffreduzierten Atmosphären wird der Sauerstoffgehalt von normal 20,9 Vol-% auf 15–17 Vol-% abgesenkt, um Brände technisch unmöglich zu machen — typisch in Rechenzentren, Tiefkühl-Hochregallagern der Lebensmittelindustrie, Archiven, Museen, Bibliotheken. Wer dort arbeitet (auch nur kurz für Wartung) benötigt eine Eignungsbeurteilung nach DGUV E SRA. Die Eignung ist physiologisch ähnlich der Höhenmedizin (15 Vol-% ≈ 2700 m, 17 Vol-% ≈ 1700 m). Schwerpunkte: Spirometrie, Belastungs-EKG, kardiovaskuläre Eignung, kein Schwangerschafts-Tauglichkeit.
1. Was ist die SRA-Eignungsbeurteilung?
Die Eignungsbeurteilung Sauerstoffreduzierte Atmosphäre (DGUV E SRA) prüft die körperliche Tauglichkeit für Tätigkeiten in absichtlich sauerstoffreduzierten Räumen — ein Brandschutzkonzept, bei dem der O₂-Gehalt durch Stickstoff-Einleitung gezielt gesenkt wird. Bei 15 Vol-% O₂ ist eine offene Flamme nicht mehr möglich (Brandvermeidung), doch der Mensch bleibt grundsätzlich arbeitsfähig.
2. Rechtsgrundlage
DGUV V 1 Grundsätze der Prävention
VdS 3527 Sauerstoffreduktionsanlagen
EN 16750 Sauerstoffreduktionsanlagen
BetrSichV i.V.m. TRBS 1112-1 (Atmosphäre mit Sauerstoffmangel)
ArbMedVV: SRA ist KEINE klassische Vorsorge, sondern Eignungsbeurteilung; ggf. ergänzend Angebotsvorsorge nach Anhang Teil 3
3. Sauerstoff-Stufen und Höhenäquivalent
O₂-Gehalt
Höhenäquivalent
Aufenthaltsdauer
20,9 Vol-%
0 m (Meereshöhe)
unbegrenzt
17 Vol-%
~ 1.700 m
8 h, individuelle Eignung
15 Vol-%
~ 2.700 m
4 h, strenge Eignung
13 Vol-%
~ 3.900 m
nur kurz, mit Atemschutz
4. Branchen, Einsatzgebiete
Rechenzentren (IT-Halle mit Server-Farm) — typischerweise 15–16 Vol-%
Bewusstseins- oder Gleichgewichtsstörungen, Anfallsleiden (mit Bezug DGUV Information 250-001), Erkrankungen / Schäden des ZNS mit Funktionsstörungen, Hirndurchblutungsstörungen, Schlaganfall, Alkohol-, Suchtmittel-, Medikamentenabhängigkeit, Erkrankungen der Atmungsorgane (COPD, Asthma), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Angina pectoris), Schwere oder symptomatische Anämien, Schwere regionale Durchblutungsstörungen (pAVK), Korrigierte Sehschärfe Ferne < 0,7/0,7 (< 0,8 bei langjähriger Einäugigkeit), Schwerhörigkeit (Warnsignal 450–1320 Hz nicht wahrnehmbar)
Fristen der Vorsorgen
Erste Vorsorge
vor Aufnahme der Tätigkeit
Zweite Vorsorge
Keine gesetzlichen fixen Fristen; ergeben sich aus Rechtsgrundlage, Anforderungsprofil und Gefährdungsbeurteilung
Jede weitere Vorsorge
Bei Eignungszweifel, Tätigkeitsveränderung, geänderter Gefährdungssituation, Unfall oder Synkope
Maßgeblich ist die arbeitsmedizinische Festlegung des Betriebsarztes; Bei Auffälligkeiten verkürzte Fristen nach ärztlichem Ermessen.
Tiefkühl-Hochregallager mit O2-Reduktion — typische SRA-Arbeitsumgebung.
5. Untersuchungsumfang
Klinische Untersuchungen nach DGUV E SRA Abschnitt 7.2.2: Bei Risikoklasse 1 (15 ≤ c < 17 Vol-%) sind klinische Untersuchungen verzichtbar — Beratung und körperlicher Status genügen. Bei Risikoklasse 2 (13 ≤ c < 15 Vol-%) sind Spirometrie (gem. Leitfaden Lungenfunktionsprüfung) und Blutbild erforderlich; Ruhe-EKG und Ergometrie können je nach klinischem Befund, Belastung und Alter erforderlich sein.
Spirometrie als Standard der SRA-Eignungsbeurteilung.
6. Beurteilung und Eignungsurteil
Vier-Stufen-Beurteilung gemäß DGUV E SRA Abschn. 7.4.1–7.4.4: (1) Keine relevanten Erkenntnisse — Eignung gegeben (2) Eignung mit empfohlenen Maßnahmen (technisch, organisatorisch) (3) Eignung mit verkürzten Fristen (4) Tätigkeitswechsel zu erwägen. Bei RK 2 ist eine Eignung in der Regel nicht gegeben, wenn Maßnahmen nicht umsetzbar sind
7. Praxistipps für Unternehmen
Akklimatisation. Schrittweise Annäherung an SRA-Bereich; präventive Sauerstoffmessung am Mann (Pulsoximeter) bei längerem Aufenthalt.
Notfallorganisation. Notfallausstieg, Pulsoximeter-Alarmierung, Erste-Hilfe-Training für Hypoxie.
Schwangerschaftsausschluss: Tätigkeiten in sauerstoffreduzierter Atmosphäre dürfen von Schwangeren nicht ausgeübt werden (§ 11 MuSchG i.V.m. DGUV E SRA Abschn. 6.4)
Folgevorsorge. Erste nach 12 Monaten, weitere alle 36 Monate (über 50 J. oder bei Vorerkrankungen ggf. verkürzt).
Schulung. Hypoxie-Symptome erkennen, Verhalten bei Unwohlsein.
Schnittstelle Atemschutz. Bei 13 Vol-% O₂ ist Atemschutz Pflicht (Pressluftatmer); kombinierte Eignung E ASE + E SRA. Schnittstelle Kältearbeit: Zeitgleiches Arbeiten in Tiefkühlanlagen (≤ −18 °C) ist nach DGUV E SRA Abschn. 6.1.1 ein gefährdungsverstärkender Faktor. In TK-Hochregallagern mit O₂-Reduktion ist eine kombinierte Eignungsbeurteilung E SRA + E KLT zu erwägen
FAQ
Was ist eine sauerstoffreduzierte Atmosphäre?
Atmosphäre mit gezielt abgesenkten O₂-Gehalt (typisch 15-17 Vol-%) durch N₂-Einleitung als technisches Brandvermeidungs-Konzept. Eingesetzt in Rechenzentren, TK-Lagern, Archiven.
Wann ist die Eignungsbeurteilung Pflicht?
Für alle Mitarbeiter, die länger als kurzzeitig in SRA-Bereichen arbeiten oder dort regelmäßig Wartungen durchführen.
Wer ist nicht-tauglich?
Personen mit KHK, schwerer Herzinsuffizienz, COPD/Asthma mit Lungenfunktion < 80 %, schwerer Anämie, Schwangerschaft, oder mit früheren Höhenkrankheits-Episoden.
Welche Aufenthaltsdauern gelten?
17 Vol-%: bis zu 8 h. 15 Vol-%: maximal 4 h pro Schicht. 13 Vol-%: nur kurz mit Atemschutz.
Brauche ich eine spezielle Untersuchung?
Ja — über Standard-Vorsorge hinaus: Belastungs-EKG, Spirometrie, ggf. Spiro-Ergometrie, Hämoglobin-Bestimmung.
Was tun bei Hypoxie-Symptomen?
Sofort SRA-Bereich verlassen, in normalatmosphaerischen Bereich begeben, Pulsoximeter-Wert prüfen, ggf. Sauerstoff-Gabe via Erste-Hilfe-Notbox, Notarzt bei anhaltenden Symptomen.
Quellen
DGUV Empfehlung „Sauerstoffreduzierte Atmosphäre“ (E SRA), Fassung Januar 2022
VdS 3527; EN 16750
BetrSichV; TRBS 1112-1
DGUV V 1 DGUV Information 205-006
IAAI — wir setzen die SRA-Eignungsbeurteilung für Sie um
Wir betreuen Rechenzentren, Tiefkühl-Hochregallager, Archive und Museen mit Sauerstoffreduktion bundesweit. E-SRA-Eignungsbeurteilung mit Spirometrie, Belastungs-EKG, kombinierter G-26-Atemschutz-Prüfung.