G6-Untersuchung: Vorsorge bei Schwefelkohlenstoff (CS2)
„CS2 wirkt neurotoxisch und beschleunigt die Atherosklerose — das kardiovaskuläre Risiko ist auch nach Ende der Exposition erhöht.“
— DGUV-Empfehlung
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1. Worum geht es?
Schwefelkohlenstoff (CS2) ist ein leicht flüchtiges, hautresorptives Lösemittel. Wirkt neurotoxisch (Polyneuropathie, Enzephalopathie) und kardiovaskulär toxisch (beschleunigte Atherosklerose). Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann; Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen ist. BK 1305 (Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff).
2. Branchen
Top-3-Branchen
- Viskosefaser-Industrie — CS2 als Hauptlösemittel im Spinnprozess.
- Gummi-/Kautschuk-Industrie — CS2 als Ausgangsstoff für Vulkanisationsbeschleuniger und früher als Lösemittel.
- Pestizid-Produktion / Schwefelchemie — Synthese, Konfektionierung.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Parästhesien, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, kardiovaskuläre Symptome, Sehstörungen.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Neurologischer Status (Reflexe, Vibrationsempfinden) | Polyneuropathie |
| EKG; Belastungs-EKG bei Indikation | Kardiovaskuläres Risiko |
| Blutdruck, Lipidstatus, Glucose | Atherosklerose-Risiko |
| TTCA im Urin (2-Thiothiazolidin-4-carbonsäure, Biomonitoring) | Innere Belastung CS2-Metabolit |
| Optometrie, ggf. Farbsehtest | Sehnerv-Schäden |
Fristen
Erste Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1); bei neurologischen oder kardialen Beschwerden Wunschvorsorge (§ 5a ArbMedVV).
4. IAAI in der Praxis
- Neurologische Basis-Untersuchung in der Praxis, fachneurologische Überweisung bei Befund.
- EKG vor Ort; kardiovaskuläre Risikoabschätzung (SCORE-Tabelle).
- TTCA-Biomonitoring über Labor.
- Beratung zu Hautkontakt-Vermeidung (CS2 hautresorptiv).
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht CS2-Vorsorge?
Viskose-Faser-, Gummi-, Pestizid- und Schwefelchemie-Industrie. Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.
Was ist TTCA?
2-Thiothiazolidin-4-carbonsäure — CS2-Metabolit im Urin. Standard-Biomarker für CS2-Belastung.
Welche kardiovaskulären Risiken?
CS2 beschleunigt Atherosklerose. Risiko erhöht für Herzinfarkt und Schlaganfall — auch nach Ende der Exposition.
Wie oft Vorsorge?
Vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1). Bei Beschwerden Wunschvorsorge.
BK 1305?
Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff — Polyneuropathie, Enzephalopathie, kardiovaskuläre Erkrankungen.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
- BKV Anlage 1, BK 1305
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

