Eignungsbeurteilung für Tätigkeiten in Druckluft (Tunnelbau, Senkkasten, Berufstauchen). Druckluftverordnung, Druckkammer-Prüfung, BK 2201 (Druckluft-/Caisson-Krankheit). Stand April 2026.
Autor: Dr. Johannes Angerer · Betriebsarzt & COO der IAAI Arbeitssicherheit GmbHVeröffentlicht: 28. Januar 2025 · Aktualisiert: 16. April 2026 · Lesezeit: 14 Minuten
Auf einen Blick
Tätigkeiten in Druckluft bzw. unter Überdruck — typisch im Tunnelbau mit Druckluft-Senkungsverfahren, in Caisson- und Senkkasten-Arbeiten, im Berufstauchen sowie in hyperbarer Medizin — erfordern eine Eignungsbeurteilung nach DGUV-Empfehlung E DRL. Rechtsgrundlage: Druckluftverordnung (DruckLV). Schwerpunkte der Prüfung: kardiopulmonale Eignung, Tubenfunktion (Mittelohrdruck-Ausgleich), Hals-Nasen-Ohren-Status, Belastbarkeit. Berufskrankheit: BK 2201 (Druckluft-/Caisson-Krankheit) — mit akuten und chronischen Folgeschäden.
Otoskopie und Probeschleusung in der Druckkammer.Helmtauchgerät bei industrieller Tauchbergung.
1. Was ist die DRL-Eignungsbeurteilung?
Die Eignungsbeurteilung Überdruck (DGUV E DRL) prüft die körperliche Tauglichkeit für Tätigkeiten unter erhöhtem Luftdruck — in Tunnelbau, Senkkasten, Berufstauchen, hyperbarer Therapie. Echte Eignungsuntersuchung mit Tauglich/Nicht-tauglich-Urteil. Pflicht nach DruckLV § 12.
2. Rechtsgrundlage
DruckLV — Druckluftverordnung von 1972 (zuletzt geändert 2008)
Tunnelbau Druckluft-Senkungsverfahren (klassisch in Brückenpfeilern, U-Bahn-Schaechten)
Berufstauchen (Bergung, Inspektion, Schweissen unter Wasser, Off-shore)
Hyperbare Medizin (Überdruck-Therapie z.B. CO-Vergiftung)
Senkkasten (Caisson-Arbeiten)
Forschungstauchen, Polizei, Bundeswehr
4.2 Krankheitsbild — Druckluftkrankheit
Akut: Dekompressionskrankheit Typ I (Bends, Hautmarmorierung, Muskel-/Gelenkschmerzen), Typ II (Lungenembolie, Hirninfarkt, Querschnitt). Subakut: aseptische Knochennekrose, vor allem Hüft- und Schultergelenk. Mittelohr-Barotrauma, Sinustrauma, Lungenbarotrauma.
4.3 BK 2201
„Erkrankungen durch Arbeiten in Druckluft“ — anerkannt als Berufskrankheit. Voraussetzung: dokumentierte Druckluftexposition + Folgeschaden (z.B. aseptische Knochennekrose, neurologische Defizite).
Fristen der Vorsorgen
Erste Vorsorge
vor Aufnahme der Tätigkeitinnerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)Kürzere Fristen sind zulässig und vom Arzt oder der Ärztin festzulegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht erforderlich ist. Für Wunschvorsorgen gibt es keine vorgegebenen Fristen.
Maßgeblich ist die arbeitsmedizinische Festlegung des Betriebsarztes; Bei Auffälligkeiten verkürzte Fristen nach ärztlichem Ermessen.
5. Untersuchungsumfang
Beratung zu Druckluft-Risiken, Schleusenzeit, Notfallverhalten. Anamnese: kardiopulmonale Erkrankungen, HNO-Anamnese, Tubenfunktion-Probleme, Migraene, Anfallsleiden, frühere Druckluftunfaelle, frühere Otitiden, Sinusitiden. Otoskopie beider Ohren, Tubenfunktion-Prüfung (Valsalva, Toynbee). Rhino-Sinus-Inspektion. Augenuntersuchung. Spirometrie. Belastungs-EKG. Probeschleusung in Druckkammer (auf 1,5–2,1 bar) zur Prüfung der Tubenfunktion und Belastbarkeit. Röntgen LWS bei langen Schichten oder bei BK-2201-Verdacht (aseptische Knochennekrose).
6. Beurteilung und Eignungsurteil
Drei-Stufen-Urteil: tauglich (alle Druckstufen), bedingt tauglich (z.B. nur niedrige Druckstufe, kein Tauchen), nicht tauglich. Bescheinigung an Versicherten und Arbeitgeber. Folgevorsorge: erste nach 12 Monaten, weitere alle 36 Monate — bei Tunnelbau wie bei Berufstauchen.
Schleusenmeister. Schleusenmeister mit Spezialausbildung erforderlich; Notfallverfahren dokumentiert.
Druckkammer vor Ort. Bei Tunnelbaustellen Druckkammer für Notfall-Rekompression bereitstellen.
Notfallplan Dekompressionskrankheit. Sofort-Rekompression, Sauerstoff-Therapie, Notarzt mit Kenntnis von Tauch-/Druckluftmedizin.
Rauchen verboten. Erhöhtes Risiko für Lungenbarotrauma; Rauchverbot in Druckluft-Bereich.
Mutterschutz. Schwangerschaft = Beschaeftigungsverbot in Druckluft (§ 11 MuSchG).
Nachuntersuchung BK 2201. Ehemalige Druckluft-Beschäftigte sollten bei Gelenk- oder Knochensymptomen rasch zum Tropen-/Tauchmediziner.
FAQ
Wer ist Pflicht-Eignung in Druckluft?
Alle Beschäftigten, die in Druckluft arbeiten — Tunnelbau Senkungsverfahren, Caisson, Berufstauchen, hyperbare Medizin. DruckLV § 12.
Was ist die Druckluft-/Caisson-Krankheit?
Bei zu schneller Dekompression entweichen Stickstoffblasen ins Gewebe — Gelenkschmerzen (Bends), Hautmarmorierung, Lungenembolie, Hirninfarkt. Akut lebensgefaehrlich; Rekompression Therapie der Wahl.
Was ist eine Probeschleusung?
Test-Aufenthalt in der Druckkammer auf 1,5–2,1 bar zur Prüfung der Tubenfunktion (Mittelohr-Druckausgleich) und kardiovaskuläre Belastbarkeit unter Überdruck.
Wie häufig ist Folgeuntersuchung?
Erste Folgevorsorge nach 12 Monaten, weitere alle 36 Monate — bei Tunnelbau wie bei Berufstauchen. Bei Auffaelligkeiten verkuerzt; bei langer Pause volle Erstuntersuchung.
Was ist BK 2201?
Berufskrankheit „Erkrankungen durch Arbeiten in Druckluft“. Schwerpunkte: aseptische Knochennekrose der Hueft-/Schulter-Gelenke, neurologische Folgeschaeden.
Welche Schnittstellen mit anderer Eignung?
Bei Berufstauchen: zusätzlich Atemschutz-Eignung Gruppe 3 (E ASE) für Pressluftatmer/Schlauchgerät. Bei Tunnelbau: ggf. SRA-Eignung wenn O₂-Reduktion an Bord.
Quellen
DGUV Empfehlung „Überdruck“ (E DRL), Fassung Januar 2022
DruckLV (1972, zuletzt 2008)
BGV C 23 Taucherarbeiten
DGUV-Information 213-058
BKV — BK 2201
IAAI — wir setzen die Druckluft-Eignungsbeurteilung für Sie um
Wir betreuen Tunnelbau-, Tauch- und Bergungsbetriebe deutschlandweit. E-DRL-Eignungsbeurteilung mit HNO-Status, Probeschleusung, kardiopulmonaler Belastung, BK-2201-Antragsbegleitung.