G1.3-Untersuchung: Vorsorge bei Hochtemperaturwolle und Faserstaub
„Bei Hitzeeinsatz oberhalb 900°C bildet sich aus ASW Cristobalit — zusätzliches Krebs-Risiko durch kristallines SiO₂.“
— DGUV-Empfehlung
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1. Worum geht es?
Hochtemperaturwollen (HTW) sind künstliche Mineralfasern für Hochtemperatur-Anwendungen. Drei Haupttypen: ASW (Aluminiumsilikatwolle, Carc 1B), AES (Erdalkalisilikatwolle, biologisch löslich), PCW (polykristalline Wolle, Carc 2). Bei Einsatztemperaturen über 900 °C bildet sich aus ASW Cristobalit mit zusätzlichem Krebs-Risiko.
Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten, bei denen als krebserzeugend Kategorie 1A oder 1B eingestufte Faserstäube freigesetzt werden können (ArbMedVV Anhang Teil 1 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. i); Angebotsvorsorge nach ArbMedVV Anhang Teil 1 Abs. 2, soweit keine Pflichtvorsorge zu veranlassen ist; nachgehende Vorsorge nach Ende der Tätigkeit wegen langer Latenz (Anhang Teil 1 Abs. 3 Nr. 3).
2. Branchen
- Stahlindustrie / Gießerei — Hochofen-Auskleidung, Pfannen.
- Glasindustrie — Schmelzwannen, Tunnelöfen.
- Industrieofenbau — Wartung, Auskleidung, Demontage.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Spirometrie | Atemwegs-Funktion |
| Röntgen-Thorax (ILO) | Pneumokoniose-Diagnostik |
| Inspektion Haut | Mechanische Faser-Reizung |
Fristen
Erste Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1); nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende ebenfalls spätestens alle 36 Monate.
4. IAAI in der Praxis
- Spirometrie + Pneumologie-Anbindung für ILO.
- Organisation der nachgehenden Vorsorge; nach Ende der Beschäftigung mit Einwilligung Übertragung an den Unfallversicherungsträger (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).
- Beratung zu Atemschutz P3 + Substitution durch AES-Wolle wo möglich.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied ASW vs. AES?
ASW (Aluminiumsilikatwolle) ist Carc 1B — biologisch persistent. AES (Erdalkalisilikatwolle) ist biolöslich, niedrigeres Krebs-Risiko, bevorzugte Substitutionsoption.
Was ist Cristobalit?
Kristallines SiO₂; alveolengängiger Cristobalitstaub ist nach TRGS 906 krebserzeugend. Bildet sich bei Hitzeeinsatz von ASW über 900 °C. Demontage solcher Wolle ist deshalb besonders gefährlich.
Gibt es eine eigene Berufskrankheit?
Nein. Für Lungenkrebs durch Hochtemperaturwolle gibt es keine eigene BK-Nummer, eine Anerkennung im Einzelfall nach § 9 Abs. 2 SGB VII ist möglich.
Wie lange nachgehende Vorsorge?
Nach Ende der Tätigkeit regelmäßig nach den Fristen der AMR 2.1, also spätestens alle 36 Monate; während der Beschäftigung zahlt der Arbeitgeber, nach dem Ausscheiden mit Einwilligung der Unfallversicherungsträger.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber, auch für die nachgehende Vorsorge, solange das Beschäftigungsverhältnis besteht; danach nach Übertragung der Unfallversicherungsträger (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).
6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- TRGS 558 (Tätigkeiten mit Hochtemperaturwolle); ArbMedVV; GefStoffV
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

