G10-Untersuchung: Methanol-Vorsorge
„Methanol-Aufnahme führt über Formaldehyd und Ameisensäure zur Sehnerv-Schädigung. Bei akuter Vergiftung sofortige Antidot-Therapie!“
— DGUV-Empfehlung
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Welche Vorsorge braucht Ihr Betrieb?
Tätigkeiten anklicken und sofort sehen, welche Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge nach ArbMedVV gilt, mit Fristen nach AMR 2.1 und PDF zum Ausdrucken.
1. Worum geht es?
Methanol ist ein hochtoxischer Alkohol, der über Lunge, Haut und gastrointestinal aufgenommen wird. Wird in Leber zu Formaldehyd und Ameisensäure metabolisiert — die toxischen Metaboliten führen zur Sehnerv-Schädigung (bis zur Erblindung) und schweren metabolischen Azidose. Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann; sonst Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann. BK 1306 (Methanol-Erkrankungen), BK 1317 (Lösemittel-Polyneuropathie/-Enzephalopathie).
2. Branchen
Top-3-Branchen
- Chemielabor / Pharma-F&E — HPLC, Synthese, Reinigung.
- Klebstoff- / Lackindustrie — Methanol als Lösemittel.
- Biokraftstoff- / Biodiesel-Produktion — Umesterung mit Methanol.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Sehstörungen, Kopfschmerz, Übelkeit, neurologische Symptome.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Optometrie + Farbsehtest (Ishihara, Pseudoisochromatische Tafeln) | Sehnerv-Schäden, Optikusneuropathie |
| Bei Verdacht: Augenarzt-Konsil mit OCT, Gesichtsfeldbestimmung | Präzise Sehnerv-Diagnostik |
| Neurologischer Status | Lösemittel-Polyneuropathie |
| Methanol im Blut/Urin (Biomonitoring; BGW 15 mg/l Urin) | Innere Belastung |
| Blutbild, GPT, GGT, Glucose, Kreatinin | Stoffwechsel, Leber, Niere |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, weitere spätestens alle 36 Monate; Wunschvorsorge bei Sehstörungen.
4. IAAI in der Praxis
- Optometrie und Farbsehtest in der eigenen Praxis.
- Methanol-Biomonitoring (Blut/Urin) über Labor.
- Schulung: Antidot-Management Methanol-Vergiftung. Bei Verdacht sofort Klinik.
- Augenarzt-Anbindung für OCT bei Verdachtsdiagnose.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Methanol-Vorsorge?
Chemielabor, Pharma-F&E, Klebstoff-/Lackindustrie, Biokraftstoff-Produktion mit relevanter Methanol-Exposition.
Was bewirkt Methanol-Vergiftung?
Akut: Kopfschmerz, Übelkeit, Sehstörungen bis Erblindung, Bewusstlosigkeit, Tod. Latenzzeit 12–24 Stunden möglich.
Wie wird Methanol-Vergiftung behandelt?
Antidot: Ethanol oder Fomepizol (blockiert Alkoholdehydrogenase). Hämodialyse zur Elimination. Folinsäure als Cofaktor.
Wie hoch ist BGW?
Methanol im Urin: 15 mg/l (BGW). Bei Werten darüber Reduktion der Exposition.
Sind Sehstörungen reversibel?
Bei rechtzeitiger Antidot-Therapie ggf. teilweise reversibel. Bei Spätdiagnose oft irreversibel.
BK 1306 / 1317?
BK 1306: Methanol-Erkrankungen. BK 1317: Lösemittel-induzierte Polyneuropathie/Enzephalopathie. Beide nach gesicherter Exposition.
6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 903)
- BKV Anlage 1, BK 1306 / BK 1317
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

