Platinverbindungen: Arbeitsmedizinische Vorsorge
„Lösliche Platinsalze gehören zu den potentesten Atemwegssensibilisatoren.“
— DGUV-Empfehlung „Platinverbindungen“
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Welche Vorsorge braucht Ihr Betrieb?
Tätigkeiten anklicken und sofort sehen, welche Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge nach ArbMedVV gilt, mit Fristen nach AMR 2.1 und PDF zum Ausdrucken.
1. Worum geht es?
Lösliche Platinsalze (Chloroplatinate, Chloroplatinite) sind hochpotente Atemwegssensibilisatoren. Pflichtvorsorge nach den Kriterien des ArbMedVV-Anhangs Teil 1 Abs. 1 Nr. 1 (die TRGS 900 nennt einen Arbeitsplatzgrenzwert nur für Platin als Metall, nicht für lösliche Platinverbindungen); Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und keine Pflichtvorsorge zu veranlassen ist. Berufskrankheit: BK 4301 (durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen einschließlich Rhinopathie).
2. Branchen
- Edelmetall-Recycling / Katalysatoren — Aufschluss von Pt-haltigen Materialien.
- Pharma-F&E / Onkologie — Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin in Zubereitung.
- Galvanik — Pt-Beschichtung von Elektroden.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Spirometrie | Berufsasthma-Verdacht |
| Pricktest mit Pt-Salzen | Sensibilisierung |
| Spez. IgE | Atopie / Pt-Allergie |
| Inspektion Haut/Schleimhäute | Kontaktekzem, Konjunktivitis |
Fristen
Erste Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 6 Monaten (atemwegssensibilisierend, H334), jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1). Bei Atemwegsbeschwerden, die mit der Tätigkeit zusammenhängen können, zusätzlich Angebotsvorsorge (§ 5 Abs. 2 ArbMedVV).
4. IAAI in der Praxis
- Spirometrie und Pricktest in eigener Praxis bzw. Allergologie-Anbindung.
- Bei sensibilisierter Person: Tertiärprävention mit Substitution / Arbeitsplatzwechsel.
- BK-4301-Begleitung in Kooperation mit Pneumologie.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Platin-Vorsorge?
Edelmetall-Recycling, Pharma-F&E (Cisplatin), Galvanik mit löslichen Pt-Salzen.
Was misst der Pricktest?
IgE-vermittelte Sensibilisierung gegen Pt-Salze. Bei positivem Test ist Berufsasthma-Risiko deutlich erhöht.
Wie oft Vorsorge?
Vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 6 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten; bei Beschwerden zusätzlich Angebotsvorsorge.
BK 4301?
Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie). Lösliche Pt-Salze sind ein typischer Auslöser.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.
6. Quellen
- DGUV-Empfehlung „Platinverbindungen“
- ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 905)
- BKV Anlage 1, BK 4301
- AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

