Gefahrstoffe · DGUV-Empfehlung

Platinverbindungen: Arbeitsmedizinische Vorsorge

Auf einen Blick: Pflicht- und Angebotsvorsorge bei Chloroplatinaten und anderen sensibilisierenden Pt-Verbindungen. Hauptrisiko: Berufsasthma mit hoher Sensibilisierungsrate. Pricktest in Diagnostik. Edelmetall-Recycling, Pharma (Cisplatin), Galvanik.
Johannes F. Angerer · Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst · Aktualisiert 30. April 2026 · 11 Min Lesezeit

„Lösliche Platinsalze gehören zu den potentesten Atemwegssensibilisatoren.“

— DGUV-Empfehlung „Platinverbindungen“

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Fristen der Vorsorge
Erste Vorsorge
innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Zweite Vorsorge
spätestens sechs Monate nach Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 2 Buchst. a)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)
Die Fristen sind Höchstfristen. Der Arzt oder die Ärztin kann kürzere Fristen festlegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht notwendig ist (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 4).

1. Worum geht es?

Lösliche Platinsalze (Chloroplatinate, Chloroplatinite) sind hochpotente Atemwegssensibilisatoren. Pflichtvorsorge nach den Kriterien des ArbMedVV-Anhangs Teil 1 Abs. 1 Nr. 1 (die TRGS 900 nennt einen Arbeitsplatzgrenzwert nur für Platin als Metall, nicht für lösliche Platinverbindungen); Angebotsvorsorge, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und keine Pflichtvorsorge zu veranlassen ist. Berufskrankheit: BK 4301 (durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen einschließlich Rhinopathie).

2. Branchen

  1. Edelmetall-Recycling / Katalysatoren — Aufschluss von Pt-haltigen Materialien.
  2. Pharma-F&E / Onkologie — Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin in Zubereitung.
  3. Galvanik — Pt-Beschichtung von Elektroden.

3. Untersuchungsumfang

UntersuchungZweck
SpirometrieBerufsasthma-Verdacht
Pricktest mit Pt-SalzenSensibilisierung
Spez. IgEAtopie / Pt-Allergie
Inspektion Haut/SchleimhäuteKontaktekzem, Konjunktivitis

Fristen

Erste Vorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 6 Monaten (atemwegssensibilisierend, H334), jede weitere spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1). Bei Atemwegsbeschwerden, die mit der Tätigkeit zusammenhängen können, zusätzlich Angebotsvorsorge (§ 5 Abs. 2 ArbMedVV).

4. IAAI in der Praxis

  • Spirometrie und Pricktest in eigener Praxis bzw. Allergologie-Anbindung.
  • Bei sensibilisierter Person: Tertiärprävention mit Substitution / Arbeitsplatzwechsel.
  • BK-4301-Begleitung in Kooperation mit Pneumologie.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht Platin-Vorsorge?

Edelmetall-Recycling, Pharma-F&E (Cisplatin), Galvanik mit löslichen Pt-Salzen.

Was misst der Pricktest?

IgE-vermittelte Sensibilisierung gegen Pt-Salze. Bei positivem Test ist Berufsasthma-Risiko deutlich erhöht.

Wie oft Vorsorge?

Vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 6 Monaten, jede weitere spätestens nach 36 Monaten; bei Beschwerden zusätzlich Angebotsvorsorge.

BK 4301?

Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie). Lösliche Pt-Salze sind ein typischer Auslöser.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber gemäß § 3 Abs. 3 ArbSchG.

6. Quellen

  • DGUV-Empfehlung „Platinverbindungen“
  • ArbMedVV; GefStoffV (TRGS 900, 905)
  • BKV Anlage 1, BK 4301
  • AMR 2.1, AMR 6.3

Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

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