Auf einen Blick
Weißer Phosphor (P₄, CAS 12185-10-3) ist ein extrem reaktives, in Luft selbstentzündliches Element — historisch verantwortlich für die Phosphornekrose des Kieferknochens („Phossy Jaw“) bei Zündholzarbeiterinnen des 19. Jahrhunderts. Heute ist die Tätigkeit selten geworden (Pyrotechnik-Industrie, Spezialchemie, Munitionsrückbau, Phosphorsäure-Herstellung), erfordert aber weiterhin Pflicht- und Angebotsvorsorge nach ArbMedVV. Schlüsselbefürchtungen: BK 1109 (Erkrankungen durch Phosphor oder seine anorganischen Verbindungen), Lebertoxizität, Zähne und Kieferveränderungen, schwere Verbrennungen bei direktem Hautkontakt.


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1. Was ist die Weiß-Phosphor-Vorsorge?
Die Weiß-Phosphor-Vorsorge ist die arbeitsmedizinische Vorsorge für Beschäftigte, die bei Tätigkeiten mit weißem Phosphor (P₄) exponiert sein können — DGUV-Empfehlung E P (Fassung Januar 2022). Weißer Phosphor ist eine wachsartige, durchscheinende, an Luft selbstentzündliche Substanz mit Knoblauch-ähnlichem Geruch.
2. Rechtsgrundlage
- ArbMedVV Anhang Teil 1 Nr. 1 (Tätigkeiten mit Gefahrstoffen)
- GefStoffV 2024; TRGS 900 (AGW 0,01 mg/m³ (E))
- 1. SprengV (Sprengstoffgesetz) für Pyrotechnik-Anwendungen
- AMR 2.1, 6.2, 6.3
- BKV — BK 1109 (Erkrankungen durch Phosphor oder seine anorganischen Verbindungen)
- MuSchG — Schwangerschafts-Schutz bei Phosphor-Exposition
3. Vorsorgeanlässe
Pflichtvorsorge, wenn der AGW nicht eingehalten wird oder bei hautresorptiver Gefährdung. Angebotsvorsorge bei nicht ausgeschlossener Exposition. Wunschvorsorge auf Antrag.
| Vorsorgeart | Erstvorsorge | Zweite Vorsorge | Folgevorsorgen |
|---|---|---|---|
| Pflichtvorsorge | vor Aufnahme | spätestens nach 12 Monaten | spätestens alle 36 Monate |
| Angebotsvorsorge | vor Aufnahme | spätestens nach 12 Monaten | spätestens alle 36 Monate |
4. Branchen, Krankheitsbild, BK-Risiken

4.1 Branchen heute
- Pyrotechnik-Industrie und Munitionsrückbau
- Phosphor-Spezialchemie (Phosphorsäure, Phosphate, Phosphor-Halbleiter)
- Forschung und Lehre mit P₄
4.2 Krankheitsbild
Akute Exposition: schwere Verbrennungen (Hautkontakt entzündet sich), Inhalation reizt Atemwege. Chronisch: Phosphornekrose des Kieferknochens (BK 1109) — historisch „Phossy Jaw“ bei Zündholzarbeiterinnen, heute extrem selten dank moderner Schutzmaßnahmen. Zahn- und Kieferveränderungen, Hepatotoxizität, Nephrotoxizität.
5. Untersuchungsumfang
Beratung zu Brandgefahr und Hautkontakt. Anamnese: Zahn- und Kieferschmerzen, Schwellungen, Mundgesundheit. Zahnstatus inkl. Panoramaschichtaufnahme bei Erstuntersuchung (sofern erforderlich und nicht abgelehnt). Labor: Leberparameter (γ-GT, ALAT, ASAT), Kreatinin, Calcium, Phosphat, alkalische Phosphatase. Inspektion Mundhöhle, Kiefer-Palpation. Bei Verdacht: Kiefer-CT/MRT in Kooperation mit Kieferchirurgie.
6. Beurteilung und Bescheinigung
DGUV-Vier-Stufen-Beurteilung. Bei Auffälligkeiten am Kiefer: verkürzte Fristen oder Tätigkeitswechsel prüfen. Vorsorgebescheinigung nach AMR 6.3.
7. Praxistipps für Unternehmen
- Substitution prioritär. Wo möglich roten Phosphor (Pₙ) statt weißen Phosphor.
- Geschlossene Systeme. Lagerung unter Wasser oder Inertgas; Verarbeitung in geschlossenen Anlagen mit Lokalabsaugung.
- STOP-Prinzip. Substitution → technische Schutzmaßnahmen (Inertisierung, Lokalabsaugung) → organisatorisch → PSA (feuerfeste Schutzkleidung, Vollvisierhelm, Atemschutz).
- Mundgesundheit. Regelmäßige zahnärztliche Kontrolle, Röntgen nur bei rechtfertigender Indikation, gute Mundhygiene, sofortige Behandlung von Zahnerkrankungen.
- Mutterschutz prüfen. Bei Schwangerschaft Wechsel auf nicht-exponierte Tätigkeit.
- Notfallmaßnahmen. Geeignete Löschmittel sind Wasser im Sprühstrahl (kein Vollstrahl) und feuchter Sand, ungeeignet ist Kohlendioxid. Brennenden Phosphor mit Wasser oder feuchtem Sand bedecken und auf Rückzündung achten, denn getrockneter Phosphor entzündet sich an der Luft erneut. Löschmittel vorab festlegen und bereitstellen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist „Phossy Jaw“?
Historische Bezeichnung für die durch weißen Phosphor verursachte Knochennekrose des Kieferknochens. Heute selten dank moderner Schutzmaßnahmen, aber als BK 1109 weiterhin anerkannt.
Wie häufig muss die Vorsorge stattfinden?
Zweite Vorsorge spätestens 12 Monate nach Aufnahme der Tätigkeit, danach spätestens alle 36 Monate (AMR 2.1); bei Auffälligkeiten oder Kieferproblemen kann der Arzt kürzere Fristen festlegen.
Welche Untersuchungen gehören zur Vorsorge?
Zahnstatus inkl. Panoramaschicht-Röntgen (bei Erstuntersuchung, sofern erforderlich und nicht abgelehnt), Leberparameter, Calcium/Phosphat-Status, Mundhöhlen-Inspektion.
Welche PSA wird benötigt?
Feuerfeste Schutzkleidung (Aramid), Vollvisierhelm, chemikalienbeständige Handschuhe, Atemschutz mit P-Filter bei Aerosol-Exposition.
Wie lösche ich brennenden weißen Phosphor?
Mit Wasser im Sprühstrahl oder feuchtem Sand bedecken, kein Kohlendioxid verwenden. Wasser löscht nicht abschließend, weil sich getrockneter Phosphor an der Luft erneut entzündet; auf Rückzündung achten. Brennende Person ggf. mit Wasser kühlen, aber den Phosphor mechanisch entfernen.
Quellen
- DGUV Empfehlung „Weißer Phosphor“ (E P), Fassung Januar 2022
- ArbMedVV; GefStoffV 2024; TRGS 900, 905, 910
- 1. SprengV — Pyrotechnik
- BKV — BK 1109
- GESTIS-Stoffdatenbank — Weißer Phosphor (CAS 12185-10-3)
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Wir betreuen Pyrotechnik-Manufakturen, Spezialchemie und Munitionsrückbaubetriebe bundesweit. Pflicht-Vorsorge mit Zahnstatus und Panoramaschicht-Röntgen, Brandschutz-Beratung, Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffe.
Stand: April 2026. Dieser Text ersetzt keine arbeitsmedizinische oder rechtliche Einzelfallberatung.