Arbeitsmedizin

Kurz beantwortet: Die Grippeimpfung 2026 ist seit Ende August möglich, denn das Paul-Ehrlich-Institut gibt seit der 34. Kalenderwoche Impfstoffchargen frei. Der beste Zeitpunkt ist laut Robert Koch-Institut (RKI) Oktober bis Mitte Dezember. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung allen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren und Beschäftigten mit beruflichem Risiko, etwa in Medizin, Pflege oder mit viel Publikumsverkehr. Neu in der Saison 2026/27 sind drei ausgetauschte Impfstämme, ein eindringlicher Appell der STIKO zur Impfung von Kindern mit Grunderkrankungen und der erste zugelassene Kombi-Impfstoff gegen Grippe und COVID-19.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab wann: Impfstoff ist seit Ende August 2026 freigegeben und in Arztpraxen erhältlich. Bis zum 27.09.2026 waren rund 16,2 Millionen Dosen freigegeben.
  • Bester Zeitpunkt: Oktober bis Mitte Dezember. Der Schutz baut sich innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf. Auch später in der Saison lohnt sich die Impfung noch.
  • STIKO-Empfehlung: Standardimpfung ab 60 Jahren mit Hochdosis- oder adjuvantiertem Impfstoff, außerdem Indikationsimpfung für Risikogruppen und bestimmte Berufsgruppen.
  • Neu 2026/27: alle drei Virusstämme im Impfstoff ausgetauscht, STIKO-Stellungnahme zu Kindern vom 17.09.2026, Kombi-Impfstoff Grippe plus COVID-19 zugelassen, aber keine Kassenleistung.
  • Kosten: Für alle STIKO-Gruppen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Impfung. Bei betrieblichen Impfaktionen trägt in der Regel der Arbeitgeber die Kosten.

Was ist neu bei der Grippeimpfung 2026/27?

Eine grundlegend neue Influenza-Empfehlung hat die STIKO für diese Saison nicht beschlossen. Die gültige Fassung steht in den STIKO-Empfehlungen 2026 (Epidemiologisches Bulletin 4/2026 vom 22. Januar 2026). Trotzdem ändert sich einiges, das Sie kennen sollten.

1. Drei neue Impfstämme

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 27. Februar 2026 die Zusammensetzung für die Nordhalbkugel festgelegt. Alle drei Komponenten wurden ausgetauscht, das Paul-Ehrlich-Institut spricht deshalb von einer besonders umfangreichen Anpassung. Für eibasierte Impfstoffe sind das:

  • A/Missouri/11/2025 (H1N1)pdm09-ähnlicher Stamm
  • A/Darwin/1454/2025 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Tokyo/EIS13-175/2025 (B/Victoria-Linie)-ähnlicher Stamm

Die Impfstoffe sind wie im Vorjahr trivalent, enthalten also drei Stämme. Die B/Yamagata-Linie ist seit der Saison 2025/26 nicht mehr enthalten, weil sie seit 2020 weltweit nicht mehr nachgewiesen wurde. Wer sich im letzten Herbst hat impfen lassen, braucht wegen der neuen Stämme in diesem Jahr unbedingt eine neue Impfung.

2. STIKO-Appell zu Kindern mit Grunderkrankungen

Am 17. September 2026 hat die STIKO im Epidemiologischen Bulletin 38/2026 eine Stellungnahme veröffentlicht. Nur etwa jedes zehnte Kind mit Grunderkrankung, etwa Asthma, Diabetes oder einer Herzerkrankung, ist gegen Grippe geimpft. Die STIKO appelliert eindringlich an Eltern und Ärzteschaft, diese Kinder zu impfen. Eine allgemeine Grippeimpfung für alle Kinder prüft die Kommission derzeit erneut, beschlossen ist sie nicht.

3. Erweiterte Empfehlung bei Tierkontakt

Seit Juli 2025 gilt die Empfehlung ausdrücklich für alle, die beruflich oder privat häufig und direkt Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben haben. Genannt sind etwa Nutztierhaltung, Schlachthöfe, Tierarztpraxen, Zoos und Tierheime, einschließlich Auszubildender, Praktikanten und Ehrenamtlicher. Hintergrund ist das Risiko, dass sich Vogel- und Schweinegrippeviren mit menschlichen Grippeviren mischen.

4. Kombi-Impfstoff gegen Grippe und COVID-19

Mit mCombriax von Moderna hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) am 27. Februar 2026 erstmals einen mRNA-Kombinationsimpfstoff gegen Grippe und COVID-19 für Menschen ab 50 Jahren empfohlen, die EU-Zulassung folgte im Frühjahr. Eine STIKO-Empfehlung dafür gibt es nicht, und laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ist er derzeit nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung einsetzbar.

5. COVID-19-Auffrischung jetzt erst ab 75

Die Grippeempfehlung selbst ist davon nicht betroffen. Weil viele beide Impfungen zusammen planen: Seit dem STIKO-Beschluss vom 9. Juli 2026 gilt die jährliche COVID-19-Auffrischimpfung als Standardimpfung erst ab 75 Jahren, nicht mehr ab 60. Mehr dazu und zur Bedeutung für Unternehmen lesen Sie in unserem Beitrag Grippe- und COVID-19-Impfung im Betrieb 2026/27.

Ab wann ist die Grippeimpfung 2026 möglich?

Sie können sich bereits jetzt impfen lassen. Das Paul-Ehrlich-Institut prüft jede Impfstoffcharge, bevor sie in den Handel kommt. Die ersten Freigaben erfolgten Ende August, seitdem steigt die Menge wöchentlich:

StandFreigegebene Dosen (gesamt)
23.08.2026rund 5,1 Millionen
06.09.2026rund 10,3 Millionen
20.09.2026rund 14,3 Millionen
27.09.2026rund 16,2 Millionen

Arztpraxen und Betriebsärzte erhalten ihre vorbestellten Impfstoffe in der Regel ab September. Ob Ihre Praxis schon beliefert ist, erfahren Sie am schnellsten telefonisch.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Das RKI empfiehlt, sich im Oktober oder November impfen zu lassen, spätestens bis Mitte Dezember. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Schutz aufgebaut ist. Die Grippewelle begann in den vergangenen Jahren meist im Dezember:

SaisonBeginn der Grippewelle
2023/24Kalenderwoche 50
2024/25Kalenderwoche 51
2025/26Kalenderwoche 49

Wer den Termin im Herbst verpasst, sollte die Impfung trotzdem nachholen. Laut RKI ist sie auch zu Beginn und während der Grippewelle noch sinnvoll, weil die Saison oft bis in den März oder April reicht.

Ist der Grippeimpfstoff 2026 verfügbar?

Ja. Nach der aktuellen Liste des Paul-Ehrlich-Instituts (Stand 24.09.2026) gibt es bei Grippeimpfstoffen nur einen gemeldeten Lieferengpass, und zwar für eine Packungsgröße des Nasensprays für Kinder (Fluenz, voraussichtlich bis 22.10.2026). Im März 2026 hatte das Institut Praxen allerdings aufgerufen, rechtzeitig nachzubestellen, weil die Vorbestellungen deutlich unter dem erwarteten Bedarf lagen. Grippeimpfstoffe lassen sich während der Saison nicht nachproduzieren. Zum Vergleich: In der Vorsaison waren bis Mitte Oktober 2025 rund 18,5 Millionen Dosen freigegeben.

In Deutschland sind für 2026/27 acht trivalente Impfstoffe verfügbar:

ImpfstoffArtZugelassen ab
EflueldaHochdosis60 Jahren
Fluadadjuvantiert (MF59)50 Jahren
Flucelvaxzellkulturbasiert6 Monaten
FluenzNasenspray (Lebendimpfstoff)2 bis 17 Jahre
Influsplit, Influvac, Vaxigrip, XanafluStandardimpfstoff6 Monaten
Grippeimpfstoff in Fertigspritzen in einer Kühlbox bei einer betrieblichen Impfaktion
Grippeimpfstoff muss durchgehend gekühlt werden, auch bei Impfaktionen im Betrieb.

STIKO-Empfehlung zur Grippeimpfung: Wer soll sich impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung im Herbst für folgende Gruppen:

GruppeWer genau
Standardimpfungalle Personen ab 60 Jahren
Schwangereab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei Grunderkrankung ab dem ersten
GrunderkrankungenPersonen ab 6 Monaten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD, Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen, Adipositas ab BMI 30, chronischen neurologischen Erkrankungen, Immunschwäche oder HIV
PflegeeinrichtungenBewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
KontaktpersonenHaushaltsangehörige und Betreuende von Risikopersonen
Berufmedizinisches Personal, Personal in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr, Personen, die Risikopersonen betreuen
Tierkontakthäufiger direkter Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben, beruflich oder privat

Für Arbeitgeber ist vor allem die berufliche Indikation wichtig. „Umfangreicher Publikumsverkehr“ betrifft zum Beispiel Einzelhandel, Schalter- und Kundendienst, öffentlichen Nahverkehr, Schulen und Kitas. Die Impfquote ist trotzdem niedrig: In der Saison 2024/25 waren nur 34 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft, das Ziel der EU liegt bei 75 Prozent.

Welcher Grippeimpfstoff für wen?

  • Ab 60 Jahren: ein Hochdosis-Impfstoff oder ein MF59-adjuvantierter Impfstoff. Beide gelten als gleichwertig. Ein Standardimpfstoff kommt nur in Frage, wenn beide aus medizinischen Gründen nicht möglich sind.
  • Erwachsene unter 60 Jahren: ein Standardimpfstoff oder der zellkulturbasierte Impfstoff.
  • Kinder: Kinder unter 9 Jahren, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft werden, erhalten zwei Dosen im Abstand von vier Wochen. Zwischen 2 und 17 Jahren ist auch der Nasenspray-Impfstoff möglich, bevorzugt etwa bei starker Spritzenangst oder Gerinnungsstörungen.

Die Impfung schützt nicht vollständig. Nach Angaben des RKI verhinderte sie in den Saisons 2010/11 bis 2019/20 je nach Saison 20 bis 60 Prozent der laborbestätigten Grippeerkrankungen, die zu einem Arztbesuch führten.

Grippe- und COVID-19-Impfung gleichzeitig?

Ja, das ist möglich, wenn für beide Impfungen eine Indikation besteht. Geimpft wird an verschiedenen Gliedmaßen, also zum Beispiel links und rechts in den Oberarm. Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle oder Abgeschlagenheit können bei gleichzeitiger Gabe etwas häufiger auftreten. Auch die proteinbasierten RSV-Impfstoffe für ältere Menschen dürfen gleichzeitig mit der Grippeimpfung gegeben werden.

Wer bezahlt die Grippeimpfung 2026?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Personen, für die die STIKO die Impfung empfiehlt, auch bei beruflicher Indikation. Viele Kassen zahlen zusätzlich für alle anderen Versicherten, es lohnt sich eine Nachfrage. Nicht übernommen werden der Kombi-Impfstoff gegen Grippe und COVID-19 und das Nasenspray, wenn eine Spritze möglich ist.

Bei einer Impfaktion im Betrieb trägt üblicherweise der Arbeitgeber die Kosten. Ist die Impfung aufgrund der Gefährdungsbeurteilung beruflich angezeigt, etwa in Gesundheitsberufen, gehört das Impfangebot zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Grippeimpfung im Betrieb organisieren

Eine Impfaktion am Arbeitsplatz ist für viele Beschäftigte der einfachste Weg zur Impfung. Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH organisiert Impfaktionen direkt in Ihrem Betrieb: Betriebsärztinnen und Betriebsärzte kommen mit Impfstoff zu Ihnen, die Beschäftigten buchen ihre Termine selbst über eine Online-Buchungsplattform, oder Sie planen die Termine selbst. Planen Sie drei bis sechs Wochen Vorlauf ein, damit die Aktion noch vor der Grippewelle stattfindet. Alle Details finden Sie auf unserer Seite zu Impfungen im Betrieb.

Häufige Fragen zur Grippeimpfung 2026

Ab wann kann man sich 2026 gegen Grippe impfen lassen?

Seit Ende August 2026. Das Paul-Ehrlich-Institut hat die ersten Impfstoffchargen in der 34. Kalenderwoche freigegeben, die Praxen werden seit September beliefert.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung 2026?

Im Oktober oder November, spätestens bis Mitte Dezember. Dann ist der Schutz aufgebaut, bevor die Grippewelle meist im Dezember beginnt.

Was empfiehlt die STIKO zur Grippeimpfung 2026?

Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung allen ab 60 Jahren mit Hochdosis- oder adjuvantiertem Impfstoff sowie Schwangeren, chronisch Kranken ab 6 Monaten, Pflegeheimbewohnern, Kontaktpersonen von Risikopersonen, medizinischem Personal, Personal mit viel Publikumsverkehr und Menschen mit häufigem Kontakt zu Geflügel, Schweinen oder Wildvögeln.

Ist der Grippeimpfstoff 2026 schon verfügbar?

Ja. Bis zum 27. September 2026 waren rund 16,2 Millionen Dosen freigegeben. Einen Lieferengpass meldet das Paul-Ehrlich-Institut nur für eine Packungsgröße des Nasensprays für Kinder.

Ist eine Grippeimpfung im Januar noch sinnvoll?

Ja. Das RKI empfiehlt, eine versäumte Impfung auch zu Beginn oder während der Grippewelle nachzuholen, da die Saison häufig bis ins Frühjahr dauert.

Warum muss man sich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen?

Grippeviren verändern sich ständig, und der Impfschutz lässt mit der Zeit nach. Deshalb wird der Impfstoff jedes Jahr an die erwarteten Virusstämme angepasst. In der Saison 2026/27 sind alle drei Stämme neu.

Kann ich Grippe- und Corona-Impfung zusammen bekommen?

Ja, am selben Termin in verschiedene Arme, sofern für beide Impfungen eine Empfehlung besteht. Die COVID-19-Auffrischung empfiehlt die STIKO seit Juli 2026 als Standardimpfung ab 75 Jahren.

Quellen

Grippeimpfung 2026: Ab wann, für wen und was die STIKO empfiehlt

Die IAAI Arbeitssicherheit GmbH organisiert Grippeimpfungen direkt in Ihrem Betrieb, auf Wunsch mit Online-Buchungsplattform für Ihre Beschäftigten.

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Johannes F. Angerer
Arzt | Chief Operating Officer | IAAI Arbeitssicherheit GmbH
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