G38-Untersuchung: Vorsorge bei Nickel und Nickelverbindungen
„Nickelverbindungen sind krebserzeugend Kategorie 1A — inhalative Exposition erhöht das Risiko für Lungen- und Nasennebenhöhlenkrebs.“
— DGUV-Empfehlung
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1. Worum geht es?
Viele Nickelverbindungen, etwa Nickeloxide, Nickelsulfat, Nickelchlorid und Nickelcarbonat, sind nach CLP krebserzeugend Kategorie 1A (inhalativ, H350i) und erhöhen das Risiko für Lungen- und Nasennebenhöhlenkrebs. Metallisches Nickel ist dagegen als krebsverdächtig eingestuft (Kategorie 2, H351). Nickel ist außerdem eines der häufigsten Kontaktallergene mit hohem Sensibilisierungspotenzial.
Pflichtvorsorge, wenn eine wiederholte Exposition gegenüber krebserzeugenden Nickelverbindungen nicht ausgeschlossen werden kann (ArbMedVV Anhang Teil 1; Abweichungen nach AMR 11.1); Angebotsvorsorge bei niedrigerer Exposition; nachgehende Vorsorge nach Beendigung der Tätigkeit (Organisation über ODIN, Eintrag im Expositionsverzeichnis). Berufskrankheiten: BK 4109 (bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Nickel oder seine Verbindungen), BK 5101 (Hauterkrankungen). Nickelbedingte Tumoren der Nase und Nasennebenhöhlen fallen unter BK 4109, nicht unter BK 4203 (Adenokarzinome durch Eichen- oder Buchenholzstaub).
2. Branchen
Top-3-Branchen
- Galvanik (Vernickelung) — Nickelelektrolyt-Bäder, Aerosolbildung.
- Edelstahl-Schweißen — Schweißrauche mit Nickel-/Chrom-Anteilen.
- Akku-/Batterie-Industrie — Ni-Cd, Ni-MH, NiCo-Akkus.
3. Untersuchungsumfang
Anamnese: Nasennebenhöhlen-Symptome (einseitige Obstruktion, blutige Sekretion!), Hautekzem, Septum-Schäden, Atemwegsbeschwerden.
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| HNO-Inspektion (anteriore Rhinoskopie) | Septumperforation, Karzinom |
| Spirometrie | Lungenfunktion |
| Inspektion Haut | Nickelallergie, Kontaktekzem |
| Nickel im Urin (Biomonitoring; BAR 3 µg/l Urin, kein BGW nach TRGS 903) | Innere Belastung |
| Bei Verdacht: HNO-Konsil mit Endoskopie + Bildgebung | Nasennebenhöhlen-Krebs-Verdacht |
Fristen
Erste Vorsorge innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit, zweite bei Einstufung als haut- oder atemwegssensibilisierend (H317, H334), was für Nickel und die meisten Nickelverbindungen zutrifft, spätestens sechs Monate danach (sonst spätestens 12 Monate), jede weitere spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen (AMR 2.1). Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende jeweils spätestens nach 36 Monaten (AMR 2.1, § 5 Abs. 3 ArbMedVV).
4. IAAI in der Praxis
- HNO-Anbindung für Endoskopie und ggf. CT/MRT.
- Spirometrie und Inspektion Haut in der eigenen Praxis.
- Ni-Urin-Biomonitoring über Labor.
- Erfassung jeder Exposition gegenüber Stoffen der Kategorie 1A oder 1B im Expositionsverzeichnis nach § 14 Abs. 3 GefStoffV.
- Schulung Atemschutz (Vollmaske mit P3 oder gebläseunterstützte Systeme).
- Nachgehende-Vorsorge-Kartei in unserer digitalen Vorsorgekartei — 30+ Jahre organisiert.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Nickel-Vorsorge?
Galvanik (Vernickelung), Edelstahl-Schweißer, Akku-/Batterie-Industrie, Metallrecycling, Münzen-Prägung.
BK 4109?
Lungenkrebs durch Nickel und seine Verbindungen — anerkannte Berufskrankheit nach gesicherter inhalativer Exposition.
Was ist nachgehende Vorsorge?
Vorsorge nach Tätigkeitsende, jeweils spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen. Nach dem Ausscheiden überträgt der Arbeitgeber diese Verpflichtung mit Einwilligung der Beschäftigten auf den zuständigen Unfallversicherungsträger (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV). Notwendig wegen langer Latenzzeit von Lungen- und Nasennebenhöhlenkrebs.
Wie hoch ist Nickel-Allergierisiko?
Nickel ist das häufigste Kontaktallergen: In einer europäischen Bevölkerungsstudie mit Epikutantest (EDEN, fünf Länder einschließlich Deutschland, Alter 18 bis 74 Jahre) waren rund 14 % gegen Nickel sensibilisiert, Frauen mit etwa 22 % deutlich häufiger als Männer mit etwa 5 %. Eine Nickelallergie bedeutet nicht automatisch das Ende der Tätigkeit; der Arzt berät zu Hautschutz und Schutzmaßnahmen, bei begründetem Verdacht auf eine Berufskrankheit (BK 5101) erfolgt eine Anzeige.
Wie oft Vorsorge?
Erste Vorsorge innerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit, zweite bei Einstufung als haut- oder atemwegssensibilisierend (H317, H334) spätestens sechs Monate danach (sonst spätestens 12 Monate), jede weitere spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen (AMR 2.1); nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende jeweils spätestens nach 36 Monaten.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die Berufsgenossenschaft für nachgehende Vorsorge.
6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- TRGS 561 (Tätigkeiten mit krebserzeugenden Metallen und ihren Verbindungen); TRGS 910 (Risikokonzept)
- BKV Anlage 1, BK 4109 / BK 5101
- ArbMedVV; AMR 2.1, AMR 6.3
Stand: 30. April 2026 · Johannes F. Angerer, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

