Gefahrstoffe · E SIS · Fassung Januar 2022

Silikogener Staub (Quarz / Cristobalit) — Vorsorge (E SIS)

Auf einen Blick: Pflichtvorsorge: „Bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann."Angebotsvorsorge: Bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber keine Pflichtvorsorge zu veranlassen hat."
Dr.med. Fabian Wengler ·Aktualisiert 30. April 2026 · 12 Min Lesezeit

„Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann. Der Beurteilungsmaßstab für silikogenen A-Staub (0,05 mg/m³, TRGS 559) ist formal kein AGW und daher als Abschneidekriterium nach AMR 11.1 nicht geeignet — Pflichtvorsorge ist grundsätzlich zu veranlassen“

— DGUV Empfehlung E SIS, Fassung Januar 2022
Fristen der Vorsorgen
Erste Vorsorge
vor Aufnahme der Tätigkeitinnerhalb von drei Monaten vor Aufnahme der Tätigkeit (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 1)
Jede weitere Vorsorge
spätestens 36 Monate nach der vorangegangenen Vorsorge (AMR 2.1 Ziffer 3 Abs. 3)Kürzere Fristen sind zulässig und vom Arzt oder der Ärztin festzulegen, wenn dies aus arbeitsmedizinischer Sicht erforderlich ist. Für Wunschvorsorgen gibt es keine vorgegebenen Fristen.
Maßgeblich ist die arbeitsmedizinische Festlegung des Betriebsarztes; Bei Auffälligkeiten verkürzte Fristen nach ärztlichem Ermessen.

1. Worum geht es?

Kristalliner Quarzfeinstaub und Cristobalit sind krebserzeugend Kategorie 1A nach CLP. Verursachen Silikose (Pneumokoniose) und sekundär Lungenkrebs.
Pflichtvorsorge: bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Angebotsvorsorge: Bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber keine Pflichtvorsorge zu veranlassen hat.;
Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende.

Berufskrankheiten: BK 4101 (Silikose), BK 4102 (Silikose mit aktiver Lungentuberkulose / Siliko-Tuberkulose), BK 4111 (chronische obstruktive Bronchitis/Emphysem bei Steinkohle-Bergleuten unter Tage mit kumulativer Dosis ≥ 100 Feinstaubjahren), BK 4112 (Lungenkrebs bei nachgewiesener Silikose oder Siliko-Tuberkulose).

2. Branchen

  1. Steinbruch / Steinverarbeitung — Sägen, Schleifen, Sandstrahlen.
    Bergbau / Tunnel- und Stollenbau - Vortrieb, Abbau, Förderung
  2. Bauwirtschaft — Trockenbauschneiden, Beton-Sanierung, Fräsarbeiten.
  3. Glasherstellung / Keramik / Gießerei — Quarzsand, feuerfeste Materialien.

3. Untersuchungsumfang

UntersuchungZweck
Spirometrie (FEV1, FVC, Tiffeneau)Lungenfunktion, Restriktion, COPD
Röntgen-Thorax (ILO-Klassifikation)Silikose-Diagnostik (p, q, r-Strukturen)
Bei Verdacht: HRCTDetail-Diagnostik Silikose
Tuberkulose-Anamnese / IGRABK-4102-Risiko
Anmeldung über DGUV Vorsorge: Bei Quarz-1A-Exposition ist die Anmeldung über das Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) Voraussetzung für die nachgehende Vorsorge

Fristen

Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 12 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je Exposition; nachgehende Vorsorge alle 1–3 Jahre nach Tätigkeitsende.

4. IAAI in der Praxis

  • Spirometrie und Anbindung Pneumologie/Radiologie für ILO-Befundung.
  • Anmeldung über DGUV Vorsorge: Bei Quarz-1A-Exposition ist die Anmeldung über das Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) Voraussetzung für die nachgehende Vorsorge; Nachgehende-Vorsorge-Kartei über 30+ Jahre.
  • Schulung Atemschutz (P2/P3) und Nass-Verfahren bei Bauarbeiten.
  • BK-Begleitung bei Silikose-Verdacht.

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wer braucht Quarzstaub-Vorsorge?

Steinbruch/Steinverarbeitung, Bauwirtschaft (Schneiden, Schleifen), Glas-/Keramik-/Gießerei. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung A-Staub 0,05 mg/m³.

Was ist die ILO-Klassifikation?

Internationale Standardisierung der Pneumokoniose-Bildbefundung. p/q/r-Strukturen kennzeichnen Silikose-Stadium.

Wie lange nachgehende Vorsorge?

Alle 1–3 Jahre über 30+ Jahre. Wegen langer Latenzzeit von Silikose und assoziiertem Lungenkrebs.

Welche BK-Nummern?

BK 4101 (Silikose), 4102 (Silikose+Tbc), 4111 (COPD), 4112 (Silikose-Lungenkrebs).

Welche Schutzmaßnahmen?

TRGS 559: Substitution — quellnahe Absaugung — Nass-Verfahren — Atemschutz P2/P3 als letzte Stufe.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die BG für nachgehende Vorsorge.

6. Quellen

  • DGUV Empfehlung E SIS, Fassung Januar 2022
  • TRGS 559 (Mineralischer Staub); ArbMedVV; GefStoffV
    AMR 11.1
  • BKV Anlage 1, BK 4101 / 4102 / 4111 / 4112
  • ILO-Klassifikation der Pneumokoniose-Bildbefunde

Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

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