Silikogener Staub (Quarz / Cristobalit) — Vorsorge (E SIS)
„Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann. Der Beurteilungsmaßstab für silikogenen A-Staub (0,05 mg/m³, TRGS 559) ist formal kein AGW und daher als Abschneidekriterium nach AMR 11.1 nicht geeignet — Pflichtvorsorge ist grundsätzlich zu veranlassen“
— DGUV Empfehlung E SIS, Fassung Januar 2022
1. Worum geht es?
Kristalliner Quarzfeinstaub und Cristobalit sind krebserzeugend Kategorie 1A nach CLP. Verursachen Silikose (Pneumokoniose) und sekundär Lungenkrebs.
Pflichtvorsorge: bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Angebotsvorsorge: Bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber keine Pflichtvorsorge zu veranlassen hat.;
Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende.
Berufskrankheiten: BK 4101 (Silikose), BK 4102 (Silikose mit aktiver Lungentuberkulose / Siliko-Tuberkulose), BK 4111 (chronische obstruktive Bronchitis/Emphysem bei Steinkohle-Bergleuten unter Tage mit kumulativer Dosis ≥ 100 Feinstaubjahren), BK 4112 (Lungenkrebs bei nachgewiesener Silikose oder Siliko-Tuberkulose).
2. Branchen
- Steinbruch / Steinverarbeitung — Sägen, Schleifen, Sandstrahlen.
Bergbau / Tunnel- und Stollenbau - Vortrieb, Abbau, Förderung - Bauwirtschaft — Trockenbauschneiden, Beton-Sanierung, Fräsarbeiten.
- Glasherstellung / Keramik / Gießerei — Quarzsand, feuerfeste Materialien.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Spirometrie (FEV1, FVC, Tiffeneau) | Lungenfunktion, Restriktion, COPD |
| Röntgen-Thorax (ILO-Klassifikation) | Silikose-Diagnostik (p, q, r-Strukturen) |
| Bei Verdacht: HRCT | Detail-Diagnostik Silikose |
| Tuberkulose-Anamnese / IGRA | BK-4102-Risiko |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; erste Nachsorge nach 12 Monaten, weitere Nachsorgen alle 36 Monate je Exposition; nachgehende Vorsorge alle 1–3 Jahre nach Tätigkeitsende.
4. IAAI in der Praxis
- Spirometrie und Anbindung Pneumologie/Radiologie für ILO-Befundung.
- Anmeldung über DGUV Vorsorge: Bei Quarz-1A-Exposition ist die Anmeldung über das Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) Voraussetzung für die nachgehende Vorsorge; Nachgehende-Vorsorge-Kartei über 30+ Jahre.
- Schulung Atemschutz (P2/P3) und Nass-Verfahren bei Bauarbeiten.
- BK-Begleitung bei Silikose-Verdacht.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Quarzstaub-Vorsorge?
Steinbruch/Steinverarbeitung, Bauwirtschaft (Schneiden, Schleifen), Glas-/Keramik-/Gießerei. Pflichtvorsorge bei AGW-Überschreitung A-Staub 0,05 mg/m³.
Was ist die ILO-Klassifikation?
Internationale Standardisierung der Pneumokoniose-Bildbefundung. p/q/r-Strukturen kennzeichnen Silikose-Stadium.
Wie lange nachgehende Vorsorge?
Alle 1–3 Jahre über 30+ Jahre. Wegen langer Latenzzeit von Silikose und assoziiertem Lungenkrebs.
Welche BK-Nummern?
BK 4101 (Silikose), 4102 (Silikose+Tbc), 4111 (COPD), 4112 (Silikose-Lungenkrebs).
Welche Schutzmaßnahmen?
TRGS 559: Substitution — quellnahe Absaugung — Nass-Verfahren — Atemschutz P2/P3 als letzte Stufe.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber für aktive Vorsorge; die BG für nachgehende Vorsorge.
6. Quellen
- DGUV Empfehlung E SIS, Fassung Januar 2022
- TRGS 559 (Mineralischer Staub); ArbMedVV; GefStoffV
AMR 11.1 - BKV Anlage 1, BK 4101 / 4102 / 4111 / 4112
- ILO-Klassifikation der Pneumokoniose-Bildbefunde
Stand: 30. April 2026 — Dr. Johannes Angerer, Betriebsarzt & COO IAAI Arbeitssicherheit GmbH.

