G1.1-Untersuchung: Vorsorge bei Quarzstaub (silikogener Staub)
„Pflichtvorsorge bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann. Der Beurteilungsmaßstab für silikogenen A-Staub (0,05 mg/m³, TRGS 559) ist formal kein AGW und daher als Abschneidekriterium nach AMR 11.1 nicht geeignet — Pflichtvorsorge ist grundsätzlich zu veranlassen“
— DGUV-Empfehlung
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1. Worum geht es?
Kristalliner Quarzfeinstaub und Cristobalit sind krebserzeugend Kategorie 1A nach TRGS 906 (alveolengängige Fraktion). Verursachen Silikose (Pneumokoniose) und sekundär Lungenkrebs.
Pflichtvorsorge:bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Angebotsvorsorge: Bei Tätigkeiten mit silikogenem Staub, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber keine Pflichtvorsorge zu veranlassen hat.
Nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende.
Berufskrankheiten: BK 4101 (Silikose), BK 4102 (Silikose mit aktiver Lungentuberkulose / Siliko-Tuberkulose), BK 4111 (chronische obstruktive Bronchitis/Emphysem bei Steinkohle-Bergleuten unter Tage mit kumulativer Dosis ≥ 100 Feinstaubjahren), BK 4112 (Lungenkrebs bei nachgewiesener Silikose oder Siliko-Tuberkulose).
2. Branchen
- Steinbruch / Steinverarbeitung — Sägen, Schleifen, Sandstrahlen.
Bergbau / Tunnel- und Stollenbau - Vortrieb, Abbau, Förderung - Bauwirtschaft — Trockenbauschneiden, Beton-Sanierung, Fräsarbeiten.
- Glasherstellung / Keramik / Gießerei — Quarzsand, feuerfeste Materialien.
3. Untersuchungsumfang
| Untersuchung | Zweck |
|---|---|
| Spirometrie (FEV1, FVC, Tiffeneau) | Lungenfunktion, Restriktion, COPD |
| Röntgen-Thorax (ILO-Klassifikation) | bei rechtfertigender Indikation: Silikose-Diagnostik (p, q, r-Strukturen) |
| Bei Verdacht: HRCT | Detail-Diagnostik Silikose |
| Tuberkulose-Anamnese / IGRA | BK-4102-Risiko |
Fristen
Erstvorsorge vor Aufnahme der Tätigkeit; zweite Vorsorge spätestens nach 12 Monaten, weitere spätestens alle 36 Monate je nach Exposition; nachgehende Vorsorge nach Tätigkeitsende spätestens alle 36 Monate, kürzere Abstände nach ärztlicher Festlegung.
4. IAAI in der Praxis
- Spirometrie und Anbindung Pneumologie/Radiologie für ILO-Befundung.
- Anmeldung über DGUV Vorsorge: Bei Quarz-1A-Exposition ist die Anmeldung über das Meldeportal DGUV Vorsorge (www.dguv-vorsorge.de) Voraussetzung für die nachgehende Vorsorge; Nachgehende-Vorsorge-Kartei über 30+ Jahre.
- Schulung Atemschutz (P2/P3) und Nass-Verfahren bei Bauarbeiten.
- BK-Begleitung bei Silikose-Verdacht.
5. Häufige Fragen (FAQ)
Wer braucht Quarzstaub-Vorsorge?
Steinbruch/Steinverarbeitung, Bauwirtschaft (Schneiden, Schleifen), Glas-/Keramik-/Gießerei. Pflichtvorsorge, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.
Was ist die ILO-Klassifikation?
Internationale Standardisierung der Pneumokoniose-Bildbefundung. p/q/r-Strukturen kennzeichnen Silikose-Stadium.
Wie lange nachgehende Vorsorge?
Spätestens alle 36 Monate (AMR 2.1), kürzere Abstände nach ärztlicher Festlegung; wegen der langen Latenzzeit von Silikose und assoziiertem Lungenkrebs über viele Jahre.
Welche BK-Nummern?
BK 4101 (Silikose), 4102 (Siliko-Tuberkulose), 4111 (COPD bei Steinkohlebergleuten unter Tage), 4112 (Lungenkrebs bei Silikose).
Welche Schutzmaßnahmen?
TRGS 559: Substitution — quellnahe Absaugung — Nass-Verfahren — Atemschutz P2/P3 als letzte Stufe.
Wer trägt die Kosten?
Der Arbeitgeber (§ 3 Abs. 3 ArbSchG). Der Arbeitgeber muss nachgehende Vorsorge anbieten; nur mit Einwilligung der Person kann er sie an den Unfallversicherungsträger übertragen (§ 5 Abs. 3 ArbMedVV).
6. Quellen
- DGUV-Empfehlungen für arbeitsmedizinische Beratungen und Untersuchungen (2022)
- TRGS 559 (Mineralischer Staub); ArbMedVV; GefStoffV
AMR 11.1 - BKV Anlage 1, BK 4101 / 4102 / 4111 / 4112
- ILO-Klassifikation der Pneumokoniose-Bildbefunde
Stand: 30. April 2026 · Dr. med. Fabian Wengler, Arzt im arbeitsmedizinischen Dienst, IAAI Arbeitssicherheit GmbH

